Kunstgenuss darf nicht vom Eintrittspreis abhängig sein

„Kunstgenuss darf nicht vom Eintrittspreis abhängig sein.“ Unter diesem Motto steht die Veranstaltungsreihe „Kultur für Alle“, die seit einigen Jahren in Miltenberg läuft. Der damit verbundene Anspruch ist eine richtige Reaktion auf unsere Zeit, in der „Hochkultur“ als „weicher Standortfaktor“ aus Steuergeldern massiv staatlich gefördert wird und dennoch die Eintrittspreise meist bestimmte Bevölkerungsschichten ausschließen; eine Zeit auch, in der alternative Projekte wie das AbaKuZ in Aschaffenburg oder die Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum in Miltenberg – die beide für preiswerte kulturelle Veranstaltungen stehen – die angemahnte staatliche Förderung nicht erhalten oder sogar argwöhnisch als abweichend und unliebsam beäugt werden.

Der Freundeskreis Café fArbe e.V. und das „Café für Arbeit und für Farbe mitten im Leben“ (Café fArbe) der Caritas können in Miltenberg wenigstens ab und zu einen anderen Akzent setzen und bringen dabei ein buntes und durchaus anspruchsvolles Programm vom Folk-Abend über das Sommer-Open-Air bis hin zum Klarinetten- oder Flötenkonzert und der Dichterlesung. Vor direkt politischen Aktivitäten scheuen sie auch nicht zurück, wenngleich diese eher selten stattfinden (siehe die Veranstaltung zum 1. Mai); aber schon der Ansatz „Kultur für Alle“ ist alles anderes als unpolitisch. Und schließlich trifft sich im Café fArbe (Franziskushaus am Engelplatz) auch die oben schon genannte Jugendinitiative zu ihren wöchentlichen Vollversammlungen; auch dies eine (kultur-)politische Funktion des Cafés.

Gestern auf der Unidemo in Frankfurt …

… zeigte die Polizei, wie man eine friedliche Demo mit über 2000 Teilnehmern dennoch kriminalisieren und jeder Außenwirkung berauben kann:

Mehrmals stand die Demo mit der Forderung nach Abzug des Spaliers still, doch die Veranstalter konnten sich nicht dazu durchringen, das Trauerspiel wirklich zu beenden. Präsident Thiel (Polizei) freut sich sicherlich schon auf die Kiste Schaumwein von Präsident Müller-Esterl (Universität). Für die kleine Gefälligkeit unter Adeligen Eliten, versteht sich.

Berichte:
http://de.indymedia.org/2010/01/272099.shtml
http://de.indymedia.org/2010/01/272061.shtml
mit Video:
http://bildungsstreikpotsdam.blogsport.de/

Eindruck:

Es waren so ca. 20 Leute aus Aschaffenburg und Umgebung im Zug mit dem ich gefahren bin.
Ich fands eher enttäuschend. Teilnehmerzahl war gering – das lag wohl nicht nur am Wetter und an der Prüfungszeit. Der Protest geht an vielen Studenten einfach vorbei. Dann war die Polizei natürlich unglaublich massiv vertreten, was erheblich auf die Stimmung und die Außenwirkung drückte. Organisatorisch war die Demo super, auch viele gute Ideen (gefakte Nachrichtensendungen über die Proteste vom Lauti, gute Redebeiträge, Clownsarmy, Sambagruppe etc.). Aber jede Dynamik wurde im Keim erstickt. Verglichen mit den Protesten gegen die Einführung der Studiengebühren 2006 sehr enttäuschend. So kann es jedenfalls nicht weitergehen, noch so ne Demo und das Ende der Sackgasse ist endgültig erreicht.
Positiv sind die Ansätze, verstärkt die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse zu Thematisieren – Ffreie Bildung für Alle und ein selbstbestimmtes Leben“; „Der universitäre Lebensraum muss offen für alle gesellschaftlichen Gruppen sein.“; „Radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche“. Das wurde sogar von der Presse aufgegriffen.

Kostet ein Grundrecht 50 Euro?

Artikel 8 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland besagt: „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.“ Soweit unsere Verfassung.
In Miltenberg hat nun der örtliche Polizeichef zwei jungen Leuten aus der Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum (JuZ) eine kleine Lehrstunde erteilt, die mit diesem Artikel 8 eng zusammenhängt: Sie sollen bitte nicht mehr unangemeldet demonstrieren, denn das sei beim dritten, vierten, fünften … Mal nicht mehr als Spontandemo zu betrachten. Sie sollten die Demonstration anmelden, dann wäre das alles okay. Dem Boten vom Untermain war diese Belehrung durch den Polizeichef in der Ausgabe vom 27. Januar sogar ein Beitrag auf der Titelseite der Zeitung wert, was wiederum auf die unhaltbare Situation aufmerksam macht, dass die Kreisstadt keinen Jugendtreff oder gar Jugendzentrum hat. (mehr…)

Rosen zum Gedenken

Da es bis zum 27. Januar nicht mehr lang hin ist, erscheint diese Terminmiteilung nicht im Terminkalender, sondern im Blog.
Die Kommunale Initiative (KI) in Aschaffenburg hat heute diese Information verbreitet:

Alljährlich am 27. Januar ist in der Bundesrepublik der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. An diesem Tag vor 65 Jahren befreite die Rote Armee das KZ Auschwitz. Aus diesem Anlass werden die öffentlichen Gebäude in Deutschland am 27. Januar Halbmast beflaggt.
Zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors verlegte der Künstler Gunter Demnig mehr als zweiundzanzigtausend STOLPERSTEINE GEGEN DAS VERGESSEN in 524 deutschen und 36 anderen europäischen Städten.
In Aschaffenburg wurden bisher 44 Stolpersteine verlegt. Am 26. April findet eine dritte Verlegungsaktion statt.
Wir wollen am Mittwoch, 27. Januar um 18.00 Uhr als Zeichen unseres Gedenkens Rosen neben die Stolpersteine in der Innenstadt legen, Treffpunkt ist in der Herstallstraße / Ecke Entengasse (ehemals Bankhaus Wolfsthal/Pattloch/Tack); Frank Sommer, Mitglied des Fördervereins Wolfsthalplatz und der KI wird dazu die einleitenden Worte sprechen. Alle Bürger der Stadt sind herzlich eingeladen.

Schade: Mina Ahadi kommt doch nicht nach Aschaffenburg

Wie heute dem Main Echo zu entnehmen ist, wurde eine geplante Veranstaltung mit der kommunistischen Atheistin Mina Ahadi, Verband der Ex-Muslime, abgesagt. Kurioserweiser von der Jungen Union geplant, entzog die Kirchenverwaltung St. Gertrud die Räumlichkeiten. Anlass dafür sind zum einen die Mobilisierung im rechtskonservativen Islamhasser-Spektrum (Pax Europa kündigte sich als Mitveranstalter an, im Forum „Die Grüne Pest“ freute man sich darauf, Muslime sprachlich „in den Boden zu hämmern“), eine zeitgleich stattfindende Veranstaltung zum Thema „Christlich-Muslimischer Dialog“ im Martinushaus sowie die Einstellung von Mina Ahadi selbst, die jedwede Religion als Herrschaftsinstument ablehnt und für eine negative Religionsfreiheit eintritt. (mehr…)

Party für ein Jugendhaus in Miltenberg

Eine spontane Aktion erlebte Miltenberg am Freitag, 8. Januar ab 18 Uhr. Vom Bahnhof aus zogen ca. 25 junge Leute mit einem Transparent vor das Rathaus. Dort wartete bereits die Presse, die zwischenzeitlich auf die Demo aufmerksam geworden war. Die jungen Leute aus der Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum (JuZ) hatten vor Wochen bereits gegenüber der Stadt Miltenberg eine Frist gesetzt, bis wann sie merkbare Schritte hin zu einem Jugendhaus feststellen wollten. Da aber nichts Diesbezügliches zu bemerken war, entschloss man sich spontan, mit dieser Aktion die Aktivitäten für ein unabhängiges Zentrum wieder aufzunehmen. (mehr…)

Arbeitskämpfe: Bestandsaufnahme Anfang 2010

“Und was ist mit dem Kapitalismus? Leider ist auch diese Idee gescheitert.“
Ole von Beust (CDU), Oberbürgermeister von Hamburg, zitiert nach Main-Echo, 13.02.09

Selten zuvor in den letzten Jahrzehnten war das Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit so stark in der öffentlichen und veröffentlichen Meinung präsent wie 2008 und 2009. Auch am bayerischen Untermain.
Hier erlebten nicht nur die Beschäftigen von Mahle in Alzenau, dass es auch „Kurzarbeit Null“ gibt – und zwar für alle 420 Kolleginnen und Kollegen; hier mussten auch Arbeiter und Angestellte aus anderen Betrieben in den zweifelhaften Genuss kommen, jetzt ganz viel Zeit zu haben – aber zu wenig Geld, um diese auch wirklich nutzen zu können. Und: Die Schonfrist bei Mahle geht nur bis Ende 2011, dann wird neu entschieden – wenn bis dahin nicht sowieso ganz andere Fakten geschaffen werden, von wem auch immer. (mehr…)

“Happy New Year, Miss Sophie!”

Das Jahr, das der unsäglichen Agenda von Schröder („Genosse der Bosse“) und Konsorten den Namen gab, ist eröffnet. Nach „Happy New Year, Miss Sophie!“ und Geböller sowie einem hoffentlich gut verdauten Sylvestersuff haben wir am bayerischen Untermain nun in unsere unbescholtenen Briefkästen die neue Ausgabe von Prima Sonntag gestopft bekommen. An sich ist das nicht der Rede wert. Jedoch finden sich diesmal auch einige Titelzeilen darin, die die Redaktion im laufenden Jahr gerne schreiben würde. Meist sind es nichtssagende und dümmliche wie die von der Golf-WM in Niedernberg (lacht da jemand?); aber zwei davon sind des Beachtens wert. (mehr…)

Winterschlaf

Nach längerer Zeit melde ich mich auch mal wieder. Aus Zeitmangel konnte ich zuletzt keine Artikel veröffentlichen, obwohl mir einiges unter den Nägeln brennt. In Frankfurt ging es an der Uni heiß her, das Präsidium antwortete mit Gewalt auf die Besetzung der Studierenden. Nach und nach werden auch die anderen Unis „befriedet“, selbst die Besetzung in Wien wurde gewaltsam beendet. Über den Gehalt und die Sinnhaftigkeit der Aktionen wird natürlich auch debattiert. Ganz groß im Pöbeln: der letzte hype.
Gewalt als Antwort auf soziale Proteste hat sich auch beim Klimagifpel in Kopenhagen durchgesetzt. Hier gibts genau das richtige Video um sich auf die Feiertage einzustimmen. Never trust a cop…
In deutschen Medien läuft, passend dazu, eine präventive Kamapagne gegen Linksextremismus, die auch vor allerdreistesten Lügen nicht zurückschreckt (wenn es der Sache dient): Tagesspiegel gegen Antifas aus Hessen.
„Neue Qualitäten der Gewalt“ werden von eifrigen Journalisten in diesem Zusammenhang ja gerne mal heraufbeschworen, entpuppen sich dann aber regelmäßig nur als kokelnde Autos in Hamburg oder Berlin. Fragt sich welche Superlative kommen, falls es tatsächlich mal wieder zu militanten Massendemonstrationen a la Startbahn West kommt.
Egal, damit rechnen ja noch nichtmal die Linksradikalen selbst.
Zum Abschluss noch ein paar Worte in eigener Sache: Subradical gibt es jetzt seit fast einem Jahr. Mehr Politik als (Sub)Kultur ist es geworden, kann man nix machen. Harte Zeiten. Wir haben ein bisschen Aufmerksamkeit erregt und werden seit März von etwa 21 Menschen pro Tag gelesen, Tendenz steigend. Nazithemen bringen gute Besucherquoten aber auch viele dämliche Kommentare. Uns wird gerne Zensur vorgeworfen, wenn die Moderation auf sich warten lässt, aber damit können wir leben. Das wir keine Lust drauf haben hier für irgendwelche Spinner eine Plattform zu bieten, sollte man uns nachsehen. Wer seine Komentare ohne allzu üble Beschimpfungen und NS-Relativierungen verfasst, darf damit rechnen, auch veröffentlicht zu werden.
Und um die Terminübersicht kümmern wir uns nächstes Jahr auch besser, versprochen.

Frohes Fest!

Weil wir schon lange nichts mehr im Blog hatten – und weil wir Euch noch ein kleines Weihnachtsgeschenk machen wollten, folgt nun eine nette Fassung von Loriots wundervoller Vorweihnachtsgeschichte. Frohes Fest allerseits!




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