Archiv für Mai 2009

Geis an forderster Front


Verklebt in Marburg

Der CSU-Spitzenpolitiker und Gotteskrieger Norbert Geis aus Aschaffenburg unterstützt zusammen mit diversen anderen Rechten einen Aufruf gegen die Proteste zum „Psychotherapie und Seelsorge“-Kongress. Dieser findet vom 20. – 24. Mai in Marburg statt. Etwa 1000 Menschen demonstrierten am 21. Mai erfolgreich gegen Homophobie und religiösen Fundamentalismus, es gelang das Hörsaalgebäude zu blockieren und den Kongress zu stören.
Geis findet sich nicht zum erstenmal an forderster Front im Kampf gegen alles, was nicht christlichen Wertvorstellungen entspricht.

Norbert Geis ist Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Aschaffenburg und rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Als rechter Hardliner hetzte er gegen die gesetzliche Verankerung der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft (Geis bezeichnet Schwule als ’schwachsinnig‘ und ‚pervers‘,
Der körperliche Kontakt zu Homosexuellen sei ‚höchstgefährlich) und verteidigte die Antisemitische Rede von Martin Hohmann. via

Klare Worte zur Linkspartei

Die Blogsportler vom Untermain treten zur Zeit kräftig in die Pedale. Soeben veröffentlichte die linksjugend [’solid] – AB – MIL Erklärungen zum Austritt aus der Partei „Die Linke“. Da wird heftige Kritik geäußert und viel schmutzige Wäsche gewaschen. Die Linke kommt nicht sonderlich gut weg, sehr lesenswert.
Anders sieht es in einem Beitrag auf kommunal.blogsport.de aus, der sich als Wahlempfehlung eben für „Die Linke“ versteht, unter Verweis auf Gramscis Hegemonie-Theorie.
Kreuzchen machen oder nicht? Discuss!
Die linksjugend [’solid] bleibt Aschaffenburg übrigens erhalten, der Jugendverband ist Parteiunabhängig.

Eier auf Lafontaine in Frankfurt

Farbbeutel in Aschaffenburg

Die Aschaffenburger Marinekameradschaft ist stolz auf ihr schwimmendes Vereinsheim am Main. Die „Orion“ ist nicht irgendein Schiff, sondern das letzte Minenräumboot aus dem Zweiten Weltkrieg.
[…]
„Und anhand der Farbe grau sieht man auch noch: es ist ein militärisches Schiff“.
[…]
Die „Orion“ zählt zu den touristischen Attraktionen der Stadt Aschaffenburg.
BR-online

Das Boot wurde zwischen Dienstag, 12. Mai und Donnerstag, 14. Mai im Floßhafen mit zwei Beutel, gefüllt mit weißer Dispersionsfarbe, beworfen. Laut Polizeibericht wurde unter anderem eine Sitzbankgarnitur mit Farbe verschmiert. Auch das gegenüber liegende Denkmal wurde in Mitleidenschaft gezogen, es entstand ein Sachschaden von einigen hundert Euro. Hinweise auf Täter und Motiv werden in einer Meldung des Main Echo nicht erwähnt.
Möglicherweise mal wieder eine antimilitaristische Aktion in Aschaffenburg?
Nachtrag, 18.05.2009:
Vielleicht wäre es aber lohnender gewesen, direkt beim Rekruten-Gelöbnis in Röllbach (LK Miltenberg) am 16. Mai, Kritik anzubringen. In einem ekelhaft unkritischen Artikel des Main Echo werden Waffen und Militär, Kameradschaft, Vaterlandstreue und sonstige Tugenden des deutschen Untertans abgefeiert. Auch zwei Pfaffen gaben ihren Segen zur anstehenden Mordausbildung. Und dass, wo gerade noch alle (konservativen) Tugendwächter laut nach einem Verbot der gemeingefährlichen, weil gewalttätigen, Paintball-Spielerei schrien. Der nationalistisch-militaristische Kitsch jedenfalls erreicht pünktlich zum 60. Geburtstag auch noch das letzte Spessartkaff.

[…]In seiner Ansprache betonte der Vertreter des Kommandeurs, Oberstleutnant Peter Bienert, dass es Tradition sei, Gelöbnisse nicht hinter hohen Kasernenzäunen, sondern in der Öffentlichkeit mit den Bürgern zusammen zu begehen. Als Soldat sei man Teil der demokratischen Gesellschaft und ein Teil des Staates.
[…]
Gerade die älteren Röllbacher erinnerten sich noch an Krieg und Not, als 1944 in einer Nacht ein Drittel des Dorfes in Schutt und Asche versank.
[…]
Die von vielen Besuchern mitgesungenen Bayern- und Nationalhymne bildeten den musikalischen Rahmen. Mit ihren Schlachtrufen beendeten die Einheiten eine eindrucksvolle Feierstunde. […]
Main Echo, 16.05.2009

Nix dazu gelernt, oder wie?
Zum Glück regen sich hier und dort auch kritische Stimmen gegen die FußballWMStauffenberg100%deutschePfannikartoffelDubist-Volksgemeinschaft.
Oder frei nach dem Titanic Magazin:

Beginn der Sozialen Unruhe

»Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte«, Gesine Schwan

Oder doch nur gewöhnlicher Arbeitskampf? Bei den Mitarbeitern von Mahle in Alzenau und jetzt auch bei den H&M Beschäftigten in Großostheim steigt die Streiklust.
Bei letzterem ist noch keine weiterführende Perspektive ausser der nächsten Lohnerhöhung zu erkennen, bei den Kollegen von Mahle in Alzenau lohnt es sich genauer hinzuschaun. So wurde in der Nacht zum 14. Mai ein spontaner Streik durchgeführt, was die Geschäftsleitung zu Kündigungsdrohungen veranlasste. Offenbar inspiriert von einem Besuch der französischen Kollegen in Stuttgart*, ist internationale Solidarität auch in Deutschland ein ganz heißes Thema in diesem Arbeitskampf. Mahle-Beschäftigte in Rosario, Argentinien besetzten ihr Werk um gegen eine Verlagerung nach Brasilien zu protestieren, 300 Mitarbeiter der Alzenauer Niederlassung reisten am 13. Mai nach Colmar/Frankreich um gemeinsam mit den dortigen Kollegen zu demonstrieren. Bei diesen Aktionen wurde immer wieder darauf hingewiesen wie wichtig es ist, dass sich die Standorte „nicht gegeneinander ausspielen“ lassen. Es ist wichtig, sich nicht auf die nationalistische Standortkonkurrenzspiele der Herrschenden einzulassen, denn diese führen zur Entsolidarisierung und Schwächung der Proteste – dem globalen Kapitalismus kann nur mit einer globalen Protestbewegung entgegengetreten werden. Zum Thema „Nationalistisches Fahrwasser“ gibt es eine lesenswerte Stellungnahme des Mahle-Betriebsrat Matthias Fritz.
Dieses „Fahrwasser“ versuchten sich auch schon Neonazis der Aschaffenburger NPD zu nutze zu machen, welche am 31. März bei einer Demonstration in Alzenau nationalistische Propaganda verteilen wollten.
Auch wenn es aus historischer Perspektive totaler Zynismus ist, sich als Neonazi irgendwie in die Gewerkschaftsproteste einklinken zu wollen, bieten sich doch immer wieder attraktive Anknüpfungspunkte. Sei es, dass der Gewerkschaftsfunktionär Remo Schardt die unsäglichen „Heuschrecken“ und die damit einhergehende verkürzte Kapitalismuskritik bemüht, sei es, dass die „Sozialpartnerschaft“ zwischen Gewerkschaften und Staat immer wieder als „Volksgemeinschaft light“ in Erscheinung tritt oder die hohe Akzeptanz rechter Standtpunkte in der Gewerkschaftsbasis und den Betrieben.
Die schlafende Linke schafft es momentan auch im Mahle-Arbeitskampf nur schwerlich, Impulse für die Herausbildung einer emanzipativen, antikapitalistischen Perspektive zu geben.

*Deren Versuch, mit Feuerwerk ein bisschen soziale Unruhe in den Trillerpfeifenprotest zu bringen, dann aber doch eher für Entsetzen unter deutschen Protestlern sorgte. Es lebe der Untertan …

Viele Beiträge zum Mahle-Protest gibt es auf kommunal.blogsport.de




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