Beginn der Sozialen Unruhe

»Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte«, Gesine Schwan

Oder doch nur gewöhnlicher Arbeitskampf? Bei den Mitarbeitern von Mahle in Alzenau und jetzt auch bei den H&M Beschäftigten in Großostheim steigt die Streiklust.
Bei letzterem ist noch keine weiterführende Perspektive ausser der nächsten Lohnerhöhung zu erkennen, bei den Kollegen von Mahle in Alzenau lohnt es sich genauer hinzuschaun. So wurde in der Nacht zum 14. Mai ein spontaner Streik durchgeführt, was die Geschäftsleitung zu Kündigungsdrohungen veranlasste. Offenbar inspiriert von einem Besuch der französischen Kollegen in Stuttgart*, ist internationale Solidarität auch in Deutschland ein ganz heißes Thema in diesem Arbeitskampf. Mahle-Beschäftigte in Rosario, Argentinien besetzten ihr Werk um gegen eine Verlagerung nach Brasilien zu protestieren, 300 Mitarbeiter der Alzenauer Niederlassung reisten am 13. Mai nach Colmar/Frankreich um gemeinsam mit den dortigen Kollegen zu demonstrieren. Bei diesen Aktionen wurde immer wieder darauf hingewiesen wie wichtig es ist, dass sich die Standorte „nicht gegeneinander ausspielen“ lassen. Es ist wichtig, sich nicht auf die nationalistische Standortkonkurrenzspiele der Herrschenden einzulassen, denn diese führen zur Entsolidarisierung und Schwächung der Proteste – dem globalen Kapitalismus kann nur mit einer globalen Protestbewegung entgegengetreten werden. Zum Thema „Nationalistisches Fahrwasser“ gibt es eine lesenswerte Stellungnahme des Mahle-Betriebsrat Matthias Fritz.
Dieses „Fahrwasser“ versuchten sich auch schon Neonazis der Aschaffenburger NPD zu nutze zu machen, welche am 31. März bei einer Demonstration in Alzenau nationalistische Propaganda verteilen wollten.
Auch wenn es aus historischer Perspektive totaler Zynismus ist, sich als Neonazi irgendwie in die Gewerkschaftsproteste einklinken zu wollen, bieten sich doch immer wieder attraktive Anknüpfungspunkte. Sei es, dass der Gewerkschaftsfunktionär Remo Schardt die unsäglichen „Heuschrecken“ und die damit einhergehende verkürzte Kapitalismuskritik bemüht, sei es, dass die „Sozialpartnerschaft“ zwischen Gewerkschaften und Staat immer wieder als „Volksgemeinschaft light“ in Erscheinung tritt oder die hohe Akzeptanz rechter Standtpunkte in der Gewerkschaftsbasis und den Betrieben.
Die schlafende Linke schafft es momentan auch im Mahle-Arbeitskampf nur schwerlich, Impulse für die Herausbildung einer emanzipativen, antikapitalistischen Perspektive zu geben.

*Deren Versuch, mit Feuerwerk ein bisschen soziale Unruhe in den Trillerpfeifenprotest zu bringen, dann aber doch eher für Entsetzen unter deutschen Protestlern sorgte. Es lebe der Untertan …

Viele Beiträge zum Mahle-Protest gibt es auf kommunal.blogsport.de





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