Hass-Liebe zum AKW

Da in diesem Monat bereits in zwei Main Echo-Artikeln relativ unreflektiert auf den Niedergang des Autonomen Kulturzentrums Würzburg, kurz AKW, verwiesen wurde, muss dazu jetzt mal was geschrieben werden.
Zu Beginn die beiden Zitate:

[…]Michael Sommer rät den Abakuzlern, „kein allzu großes Risiko einzugehen“, und erinnert daran, dass in Würzburg das alternative Kulturzentrum AKW schließen musste. „Die alternative Szene in Aschaffenburg ist nicht unbedingt groß, und ich habe Zweifel, ob sich hier dauerhaft genügend Leute für ein alternatives Zentrum finden“, sagt Sommer, „aber man kann es erst sagen, wenn man es probiert hat.“[…]
Main Echo, 8. August 2009

[…]In Würzburg war im Frühjahr die Klage groß, als das in den 80er Jahren gegründete alternative Kulturzentrum AKW schließen musste: Angenommen worden war das AKW-Angebot aber seit Jahren nicht mehr, selbst bei herausragenden Veranstaltungen wie dem Konzert der bundesweit nachgefragten Band Fehlfarben im Sommer vor zwei Jahren verlor sich das Publikum im Saal. […]
Main Echo, 22. Auguss 2009

Sommers Aussage suggeriert, pädagogisch nett verpackt, eine gewisse Sinnlosigkeit des Treibens der Abakuzler. Die „alternative Szene“ in Aschaffenburg mag vielleicht nicht die größte sein, aber sie einfach „zu klein“ zu reden geht dann doch an der Realität vorbei. Vielseitig, zersplittert, ausdifferenziert und vor allem ohne Lobby triffts eher. Ein Zustand also, in dem ein alternatives Kulturzentrum auch neue Wege aufzeigen kann. Oder spricht hier eher die Sorge des Jugendamtsleiters vor einem tatsächlichen, womöglich unkontrolliertem, Anwachsen der „alternativen Szene“?
Sowohl Michael Sommer als auch Stefan Reis, aus dessen Artikel „Die Hass-Liebe zum Mammon“ das zweite Zitat stammt, sei jedenfalls ein Artikel zum Ende des Autonomen Kulturzentrums empfohlen. Auch und gerade die Vorgänge in der alternativen Szene sind äußerst differenziert zu betrachten.
Und warum wird nicht auf die erfolgreichen Projekte in der Umgebung verwiesen?
Die Oetinger Villa in Darmstadt, die Metzgerstraße in Hanau, das Faites votre jeu in Frankfurt oder die Halle 115 in Wertheim. Das (Fort)bestehen autonomer/alternativer Kulturzentren lässt sich nicht an vermeintlicher Szenegröße, der Einwohnerzahl und schon gar nicht an einem schlecht besuchten Konzert einer alternenden Punkband festmachen. Zumal der Autor dieser Zeilen erst im Februar aufgrund eines restlos ausverkauften Konzerts der Electropunkband Egotronic dem AKW nur einen kurzen Besuch abstatten konnte.
Schade, dass das AKW nun nach seinem Ableben gegen seine eigene Idee in Stellung gebracht wird (wenn auch nicht unverdient).


1 Antwort auf „Hass-Liebe zum AKW“


  1. 1 Klaas Klever 24. August 2009 um 7:21 Uhr

    Richtiger Beitrag zur Klarstellung! Hat mich auch gestört, dass da so im Vorbeigehen dem Abakuz-Verein mal schnell ans Bein getreten wurde.

    Der Stefan-Reis-Beitrag zu Kultur und Geld sollte aber auch anderweitig nicht unwidersprochen bleiben: Kultur im Kapitalismus, Geld und Ware und Wert – da gäbe es doch auch noch was zu sagen …

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



kostenloser Counter
Poker Blog