Vor der Bundestagswahl: Norbert G.

Wie hier schon berichtet, hat sich Norbert Geis (CSU-Bundestagsmitglied aus AB) kürzlich wieder nicht beherrschen können. Jetzt unterstützte er zusammen mit diversen anderen Rechten einen Aufruf gegen die Proteste zum „Psychotherapie und Seelsorge“-Kongress .


Plakat gegen Geis, gesehen in Marburg

Das Mitglied im Bundestags-Rechtsausschuss – und rechts darf hier ganz politisch gesehen werden! – fand aber schon früher immer wieder Möglichkeiten, die Brücke zwischen CSU und dem, was angeblich der rechte Rand sei, zu schlagen. Bei einer Pizza-Pasta-Party der Jungen Union Haibach (Landkreis Aschaffenburg) unterhielt er sich angeregt mit knallrechten Glatzen-Faschisten, andernorts kritisierte er die Teilnahme von Gerhard Schröder an den Erinnerungsfeierlichkeiten zur Landung der Alliierten in der Normandie; aber nicht etwa, weil Deutschland sich damit frech und geschichtsleugnend auf die Seite der antifaschistischen Sieger stellen wollte, sondern mit Verweis auf Helmut Kohl: „Der Kanzler solle sich ein Beispiel an Helmut Kohl nehmen, der 1984 mit US Präsident Reagan den Soldatenfriedhof in Bitburg besucht hat.“ Dort liegen auch Schergen der Waffen-SS, die Schröder damit wohl ebenfalls ehren sollte.
Als 2003 Martin Hohmann wegen einer offen antisemitischen Rede aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ausgeschlossen wurde, ergriff Geis für ihn Partei.
Weiter führt der Journalist Max Brym aus: „Genau wie Hohmann hetzt Herr Geis seit Jahren gegen Sozialhilfeempfänger, Asylbewerber sowie gegen Homosexuelle, der rechte christliche Fundamentalist Geis forderte einst aus Gründen der Moral ein `Auftrittsverbot für Madonna in Deutschland´.“
Die Aufhebung der Urteile gegen Homosexuelle in der NS-Zeit ist für Geis dann auch eine „Schande“. Der Eintrag in Wikipedia über ihn weiß zudem zu berichten: „Im August 2006 schlug Geis vor, sogenannte `Rail-Marshalls´ (bewaffnete Zugbegleiter) zur Abwehr von Terroranschlägen auf den Bahnverkehr einzusetzen. Am 9. Juli 2007 befürwortete er in einem Interview die `gezielte Tötung von potenziellen Aggressoren´ als Präventivmaßnahme sowie die Sicherungsverwahrung von `Gefährdern´ ohne Prozess.“
Gezielte Tötung von mutmaßlichen Aggressoren und Haft ohne Prozess – das ist die Politik von faschistischen Regimes!
Selbst der Deutschlandfunk kommt da zu einem ganz eindeutigen Ergebnis: „Geis hält Freiheitsentzug ohne Prozess für gerechtfertigt.“
Und dann droht der Abgeordnete aus dem Kreis Aschaffenburg auch noch: „Kein Volk wird eine Überfremdung ohne Konflikt hinnehmen, es kann sie gar nicht hinnehmen (…), weil jedes Volk seine eigene Art zu leben und sein Recht darauf hat. Das ist ein Naturrecht jeden Volkes.“ Wem dieser völkische Unsinn nicht bekannt vorkommt …
Wer solche „demokratischen“ Politiker hat, der braucht keinen „rechten Rand“ mehr. Soviel zu den „bösen Nazis“ und den „guten Demokraten der Mitte“.
Ach ja: Egal wie die Bundestagswahl ausgeht, Norbert Geis wird im neuen Bundestag sitzen, soviel ist klar.


8 Antworten auf „Vor der Bundestagswahl: Norbert G.“


  1. 1 leser 31. August 2009 um 22:01 Uhr

    vor kurzem im main echo:

    Zum Glück gibt’s Norbert Geis – endlich etwas Zoff

    Auf CSU-Mann Norbert Geis ist Verlass. Der alte und wohl auch neue Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Aschaffenburg schafft es in schöner Regelmäßigkeit, Kantiges zu sagen und damit seinen Widersachern wunderbare Aufgeregtheit zu erlauben. Auch am heutigen Freitag bringt er die Gemüter so in Wallung, dass der Beobachter erstmals von einem leicht erwärmten Wahlkampf am bayerischen Untermain sprechen kann.

    Konservativer mit Profil: Norbert Geis (CSU) Harald Schreiber
    Das Thema sind, wie so oft bei Geis, die zwischenmenschlichen Beziehungen, hier die Homosexualität. Der 70-Jährige hat sich in dieser Woche erlaubt, standhaft zu bleiben und auf einer alten CSU-Position zu beharren, obwohl seine Partei in Bayern neuerdings zwangsläufig auf freisinnig machen muss. Jurist Geis kritisiert, dass die bayerische Staatsregierung die Verfassungsklage gegen ein Gesetz zurückgezogen hat, das Homosexuellen erlaubt, das Kind ihres Partners zu adoptieren.

    Da kann die FDP, in München mit der Union koalitionär verbunden, nicht ruhig bleiben. Ihr Alzenauer Bundestags-Direktkandidat Dr. Helmut Kaltenhauser mailt heute Vormittag der Redaktion, dass Geis „eindringlich“ seinen Ruf als „extrem konservativ“ im negativen Sinne bestätigt habe: „Warum muss man Mitbürgern vorschreiben, wie sie zu leben und vor allem wie sie nicht zu leben haben?“ Ganz einfach: Weil Geis, was ja in dieser Welt biegsamer Polit-Charaktere schon wieder sympathisch ist, von seinen erzkonservativen Überzeugungen nicht lassen kann (was sich durchaus in Wählerstimmen niederschlägt).

    Weniger sympathisch ist, dass dem Kleinkahler mitunter die Gäule davongaloppieren. Ebenfalls zum Thema Adoption durch Homosexuelle kursiert folgender Satz, den Geis demnach im ZDF-Morgenmagazin gesagt hat: „In der Ehe und bei heterosexuellen Partnern liegt die Zukunft. Und nicht bei irgendwelchen Fehlentwicklungen.“

    Homosexualität als „Fehlentwicklung“ einzustufen – solche Ansichten sollte mittlerweile selbst ein CSU-Rechtsaußen überwunden haben. Diese Steilvorlage von Geis nehmen die Sozialdemokraten selbstredend gerne auf. Unter der Betreffzeile „CSU-Politiker pöbelt gegen schwule Paare“ mailt Manfred Eichelsbacher aus dem Aschaffenburger SPD-Büro der Redaktion eine Presseschau zu, unter anderem mit einem Zitat des homosexuellen SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs aus Hamburg: „Ich fühle mich nicht als Fehlentwicklung.“

    Trotzdem: Sozialdemokrat Kahrs sollte froh sein, dass er gegen einen Unionspolitiker so billig Punkte machen kann. Gegen den CDU-Bürgermeister seiner Heimatstadt Hamburg würde ihm dies beim Thema Homosexualität deutlich schwerer fallen.

    Claus Morhart, Main-Echo-Chefredakteur

  2. 2 noch ein Leser 01. September 2009 um 9:19 Uhr

    Norbert Geis mag Stefan Reis, zumindest dessen letztes Interview mit dem Präsidenten der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg, Prof. Ottmar Hörl. Dort wird etwas modisch über die sinnentleerten Wahlplakate gemosert, ansonsten aber festgehalten, dass Herr Guttenberg „so sympathisch“ sei. Na dann …
    Ob diese Zuistimmung von Geis dem Reis sympathiosch ist? Eher nicht, hat Stefan Reis doch wahrlich interessanters zu bieten als dieses Interveiw.

  3. 3 Paul 07. September 2009 um 13:03 Uhr

  4. 4 Max Morlock 07. September 2009 um 13:46 Uhr

    Wunderbar!!! Aber ich denke, dem Manne wird geholfen werden :-) )

  5. 5 Plebs 08. September 2009 um 7:56 Uhr

    heute mal wieder in den Medien: das Thema „Rehabilitierung von Kriegsverrätern aus der NS-Zeit“. Ein interessanter Artikel aus der FR:

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1901350_Kriegsverraeter-Bundestag-kassiert-letzte-NS-Militaerurteile.html

    Geis, der sich gegen eine pauschale Rehabilitierung aussprach wird u.a. wie folgt zitiert:

    „Es gab immer wieder Fälle, in denen jemand davon gelaufen ist und dem damaligen Feind gesagt hat, wo die Stellungen der eigenen Kameraden sind“

    Schade das es damals nicht mehr solcher vaterlandslosen Gesellen gab, die diese Form des Widerstands praktiziert haben…

  1. 1 Norbert Geis und das „Lärmschutz-KZ“ « subradical Pingback am 23. September 2009 um 9:39 Uhr
  2. 2 “Happy New Year, Miss Sophie!” « subradical Pingback am 03. Januar 2010 um 16:20 Uhr
  3. 3 Von Kruzifixen und Männern in Frauenkleidern « subradical Pingback am 23. Mai 2010 um 10:33 Uhr
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