Archiv für September 2009

Du glaubst es kaum!

Im Jahr als in Woodstock der Bär steppte und Jimi Hendrix das Gitarrenspiel göttlich neu erfand – im gleichen Jahr sangen sich die Jacob Sisters nach Aschaffenburg. Unglaublich! – Und hier dokumentiert zur Entspannung vom politischen Alltag und als Beweis, das bei uns früher alles eher noch schlechter war.

Der Untermain hat sich verwählt

Nun liegen sie vor, die Ergebnisse der Bundestagswahl 2009 am bayerischen Untermain. Die CSU hält sich vorne. In Stadt und Landkreis Aschaffenburg erhielt sie 40,1 % (alle Ergebnisse: Zweitstimmen), im Kreis Miltenberg 43 %. Das sind deutliche Verluste gegenüber 2005.
Die FDP brachte es auf 15,7 % in Aschaffenburg (Stadt und Kreis) und 15,4 % im Landkreis Miltenberg. Das sind erhebliche Zugewinne. Wer aber wählt diese Spaßpartei? Denn von satirischer Unernsthaftigkeit müssen wir bei den Liberalen ausgehen: Da führt der neoliberale Kapitalismus in die tiefste Krise – und seine härtesten Vertreter (eben die FDP) tun so, als ob sie das nichts anginge und als ob der Kapitalismus die beste aller Möglichkeiten sei. Das ist doch Satire! Das kann doch nicht ernst genommen werden. Das ist Spaßpartei, gegen die Die Partei des Satireblatts Titanic nur ein Abklatsch ist. Aber das muss doch nicht gewählt werden! (By the way: Der erste von der ARD interviewte Vertreter der Unternehmerverbände gratulierte um 18.45 Uhr zu allererst der FDP, nicht der noch immer deutlich stärkeren unternehmerfreundlichen Partei CDU/CSU; das sagt schon alles.) (mehr…)

Nochmals: Vor der Bundestagswahl

„Ich bitte Sie, machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch!“ lässt Ministerpräsident Seehofer heute im Main-Echo inserieren wie wohl in sämtlichen anderen Zeitungen in Bayern. Es ist schon seltsam: Aber ich empfehle das auch.
Über Sinn und Unsinn von Wahlen wurde auf subradical schon trefflich gestritten. Bleibt aber ein bisher wenig oder gar nicht bedachter Fakt: Falls wir wirklich wollen, dass Nazis wenig Stimmen bekommen, vielleicht sogar an der Grenze zur Wahlkampfkostenrückerstattung scheitern, dann dürfen sie im Verhältnis zu den gültig abgegebenen Stimmen eben nur einen geringen Prozentsatz erhalten. Das heißt: Jede nicht für Nazis abgegebene gültige Stimme senkt die Nazi-Prozente.
Wenn es keinen anderen Grund gibt, zur Wahl zu gehen: Wenigsten diesen gibt es.

Einen schönen Sonntag wünscht
Martin Bayer

Norbert Geis und das „Lärmschutz-KZ“

„Der Aschaffenburger CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis (70) hat eingeräumt, dass er beim Anblick von Lärmschutzwällen in Großostheim-Ringheim (Kreis Aschaffenburg) von der Ähnlichkeit mit einem `Konzentrationslager´ gesprochen hat.“ So berichtet heute das Main-Echo. Er wolle damit nicht das NS-Regime verharmlosen, meinte der Unionist. Hat er aber. Er hätte das nur spaßig gemeint. Ein sehr seltsamer Humor!
Was wollte er wirklich? Angesichts der sehr unbeliebten Lärmschutzmauer wollte er in Großostheim-Ringheim einfach nur punkten und Wähler/innen-Stimmen holen. So einfach ist das. Und dann dürfen auch mal zünftige Vergleiche herhalten, die so richtig nach dem Geschmack des Stammtischs sind, wie ihn Geis sich wünscht: stramm rechts. Nach dem „Bomben-Holocaust“ der NPD haben wir jetzt also auch ein „Lärmschutz-KZ“.
Wie schrieben wir schon am 31. August über Norbert Geis: „Wer solche `demokratischen´ Politiker hat, der braucht keinen `rechten Rand´ mehr. Soviel zu den `bösen Nazis´ und den `guten Demokraten der Mitte´.“

Die NPD – Nazis, Pöbel, Deppen?

Ausführlicher Hintergrundbeitrag zur NPD – aus gegebenem Anlass

Aus dem Schwur der Häftlinge von Buchenwald:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“
Am 19. April 1945 kamen im befreiten Konzentrationslager Buchenwald 21.000 Männer und Knaben zu einer Trauerkundgebung zusammen und legten diesen Schwur von Buchenwald ab, der in französischer, russischer, polnischer, englischer und deutscher Sprache vorgetragen wurde.

NPD – der offene Nazismus hebt sein Haupt

Es ist Wahl – und die Partei der neuen und alten Nazis, die NPD, versucht mal wieder, Stimmen zu fangen. Es wird in Aschaffenburg eine Moschee gebaut – und die NPD will von den rassistischen Vorurteilen in der Bevölkerung profitieren und Mitglieder werben. (mehr…)

NPD lügt sich die Tatsachen zurecht

Wir hatten vermutet, dass die NPD von „Bütteln des Systems“ und „rotfaschistischer Antifa“ schreiben und steif und fest die Behauptung verbreiten wird, die Stadt Aschaffenburg hätte ihr keinen geeigneten Platz für einen Infostand angeboten. Aber es kam viel besser. In der heute schon im Internet publizierten Erklärung zum ausgefallenen Infostand schreibt die NPD von „`Antifa´ mit Schaum vorm Mund“, „drogenverseuchte, infantile Klientel“, „`Antifanten´ mit ihren schwammigen Milchgesichtern“ und so weiter.
Nach dem ausgefallenen Infostand konnten die Nazis nicht ohne irgendwas vom Platz gehen: „Die Führung des NPD-Kreisverbandes hat indessen eine Großverteilaktion um die Innenstadt herum laufen und die Kameradinnen und Kameraden konnten ungestört Plakate hängen, in für die versoffenen Gestalten der `Antifa´ unerreichbarer Höhe.“ Das Ganze wird als großer Erfolg gewertet und in der Überschrift des Beitrages sogar als – hört, hört! – „Bundesweiter NPD-Aktionstag in Aschaffenburg“ bezeichnet!
Das ist wie mit dem Kind, das im Dunkeln laut singt, um sich nicht fürchten zu müssen. Der „Gesang“ der NPD ist jedoch übelste Hetze – und eine einzige große Lüge, die die Tatsache, dass zivilgesellschaftliche Organisationen den NPD-Stand verhindern konnten, zu einem Dennoch-Erfolg umdeutet. Aber wie sagte ein Antifaschist heut Vormittag vor der City-Galerie am Infostand zu den Interkulturellen Wochen so treffend: „Bei Nazis gibt es keine Niederlage!“ Stimmt. Da wird eine solche sogar noch zu einem Heldenepos und grandiosen Erfolg umgelogen. Welch ein elendes Gesindel!

Für Interkulturelle Wochen geworben – NPD zieht sich zurück

Heute in Aschaffenburg: Mit einem bunten und rhythmischen Infostand wird für die Interkulturellen Wochen geworben; die NPD, die am gleichen Platz einen Infostand abhalten wollte und diesen untersagt bekam, baut offensichtlich auch an anderen Stellen in der Stadt keinen Infostand mehr auf.


Trommlergruppe von ARTA – dem Verein der Menschen aus Togo in Aschaffenburg – am Infostand zu den Interkulturellen Wochen

Die Jugend des Alpenvereins seilt sich ab, um …

… am City-Hochhaus Transparente zu den Interkulturellen Wochen anzubringen.

Die Fotos stellte kommunal zur Verfügung.

Fränki und die Kultur am Untermain

Subradical ist ein Faktor im politisch-kulturellen Leben der Region bayerischer Untermain. Das zumindest muss vermuten, wer berücksichtigt, dass unser Blog alle paar Tage irgendwo zitiert wird. Dabei wird aber weniger auf die politische, sondern vor allem auf die kulturelle Bedeutung unserer Bloggerei abgehoben, denn – so das Main-Echo – „das kulturelle Leben am Untermain bekommt Substanz im Internet: Einen Monat, nachdem wir über das Blogger-Portal subradical.blogsport berichtet haben hat der bildender Künstler, Musiker und Buchgestalter Frank Milautzcki (47) aus Klingenberg nun sein Blog-Forum http://kapuzimann.wordpress.com eröffnet: Schwerpunkt des Forums ist Musik.“
Diese Notiz war Grund genug, einmal nach dem Blog mit dem etwas infantilen Namen Kapuzimann zu sehen. Erster Eindruck: Da imitiert einer irgendwie den Blog von Andreas Michalke. Wo der aber eine schwule Porno-Single und andere superbe Kuriositäten bespricht, reicht es bei dem Kapuzimilautzcki höchstens für ehemalige B-Promi-Platten wie „Rock on“ von David Essex. Aber wenigstens schreibt er konsequent in Deutsch, Michalke lieber in Englisch, was dann doch den schnellen Genuss etwas stört.
Ansonsten kennen wir Älteren den Fränki aus Klingenberg noch sehr gut. In den Siebzigern bei der Jugendinitiative Obernburg gab er mal eine Zeitschrift namens – wenn ich mich recht erinnere – „Struwwelpeter“ heraus, von der nur sehr wenige Ausgaben erschienen. Er stieg damit aber in die Riege der Ober-Anarchos auf, was bei jungen Frauen damals sehr gut ankam.
Heute hat Frank Milautzcki einen eigenen Eintrag bei Wikipedia. Nun wissen wir, dass der Beitrag zur Jugendinitiative Miltenberg dort u.a. angelehnt wurde, weil die „Relevanz … nicht dargestellt“ sei. Und die des Beitrages zu Frank Milautzcki? – Nun, das mag jede/r selbst entscheiden. In jedem Fall kommt er bei Google auf über 1.500 Einträge – und zwei Fränkis mit dem ungewöhnlichen Nachnamen wird es nicht geben, womit gut eineinhalbtausend Einträge wohl zu seinen Lasten gehen. Beachtlich!
Der studierte Sozialarbeiter und praktizierende Chemiearbeiter wird dabei als Lyriker, Herausgeber, Essayist, Maler, Zeichner, Collagist, Cut-Up- und Copyart-Künstler, Kleinverleger, Trommler, Sänger, Gitarrist … bezeichnet. Wow! Aber Bescheidenheit war nie der Mangel, an dem er litt.
Ein kreativer Kopf, ein offensichtlich noch immer netter Kerl (auch wenn der alte Schnorrer früher ganze Schulklassen mit dem Erbetteln von Kippen genervt hat), ein Poser. Und jetzt auch noch der neue Hype am Bloggerhimmel des Untermains. Na dann: Gratulation!

Interkulturelle Woche vs. NPD

Für diesen Samstag, 19. September, ist die Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Woche angesetzt. Dabei sollte es einen kleinen Umzug durch die Fußgängerzone geben und vor der City Galerie dann einen Infostand und gemütliches Beisammensein. Abschließend sollte der Alpenverein mit einer Kletteraktion ein großes Transparent, das „Nationenbanner“, vom Dach des City Galerie Parkhauses herablassen.
Nun versendete das Büro des OB Herzog einen Pressemitteilung in der begründungslos die Veranstaltung verlegt wird:

Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte berücksichtigen Sie bei der Berichterstattung zur Eröffnung der
Interkulturellen Woche eine Änderung des Programms: Der Informationsstand
wird entgegen unserer am vergangenen Freitag versendeten Pressemitteilung
bereits um 10 Uhr in der Herstallstraße (und nicht um 11 Uhr vor dem Eingang
der City Galerie) aufgebaut. Das Nationenbanner wird gegen 12 Uhr vom
Parkhaus der City Galerie entrollt.
Im Anhang finden Sie eine korrigierte Version der am Freitag versendeten
Pressemitteilung.
Vielen Dank für Ihre Ankündigung.
Mit freundlichem Gruß

Robert Malorny
Stadt Aschaffenburg
Büro des Oberbürgermeisters

Der Grund dafür ist schlicht skandalös: Die NPD hat für den Samstag von 9-16 Uhr einen Infostand vor der City Galerie angemeldet, wohl im Zuge der „Moschee-Offensive“. Man hört munkeln dass der Staatsschutz höchstselbst die Veranstalter der Interkulturellen Woche unter Druck gesetzt hat, die Veranstaltung zu verlegen um der NPD so einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Jeglicher Protest soll so wohl von vorneherein unterbunden werden.
Da frag man sich doch echt was die sich dabei denken? Die Veranstaltung der Interkulturellen Woche steht seit Wochen fest und muss nun Platz machen für Nazis. Hoffen wir das die Rechnung der Stadt und der Polizei nicht aufgeht und viele Menschen deutlich machen, dass Nazis weder in Aschaffenburg noch sonstwo was verloren haben. Hat erst vor zwei Wochen in Gelnhausen gut geklappt!

Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?

Am 16. September gibt es mal wieder eine sogenannte „Zeitarbeitsbörse“ in der Aschaffenburger Unterfrankenhalle:

Kaum eine Branche konnte in den vergangenen Jahren so zulegen wie die Zeitarbeit. „Zeitarbeit lässt die Firmen atmen“, erklärt Sebastian Peine, Chef der Agentur für Arbeit Aschaffenburg.
Main Echo, 12.09.2009

Die Firmen können atmen, die Agentur für Arbeit atmet auf und freut sich über bereinigte Statistiken. Wenig Luft zum atmen bleibt den prekär Beschäftigten, denn die Bedingungen in der Leiharbeit sehen etwa so aus:
* LeiharbeiterInnen verdienen im Schnitt 30 bis 50 Prozent weniger als ihre KollegInnen bei der Entleihfirma!
* LeiharbeiterInnen werden oft nur für den Zeitraum eingestellt, für den sie an eine fremde Firma verliehen werden können und anschließend entlassen, wenn nicht sofort ein neuer Entleiher gefunden wird.
* Viele Beschäftigte werden um Lohn und Urlaub betrogen, indem ihnen die Zeit, in der sie nicht vermietet werden können, abgezogen wird.
* LeiharbeiterInnen haben im Entleihbetrieb noch weniger zu melden, als ihre fest angestellten KollegInnen. Sie sind Beschäftigte 2. Klasse.
* LeiharbeiterInnen werden gleich doppelt abgezockt: von Leihbude und der Entleihfirma
Mehr Infos dazu gibt es auf www.leiharbeit-abschaffen.de

Die Jungle World beschäftigt sich anlässlich der Buntestagswahlen mit der „Wahlkampfdrohung Vollbeschäftigung“. Arbeit macht im herrschenden Diskurs halt immer noch Frei.




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