Vor der Bundestagswahl: Jürgen S. & Antonio G.

Nein, mögen tun wir ihn nicht und erwähnt wird er hier nur aus einem ganz speziellen Grund: Jürgen Schwab, in Miltenberg geboren, in Amorbach aufgewachsen, war REP-Kreisvorsitzender in Miltenberg, dann NPD-Funktionär und Mitglied der Redaktion der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ und ist heute Publizist in knallrechten Postillen. Gelegentlich wird er auch mal als Nationalbolschewist tituliert, was treffend sein dürfte.
Der große Unterschied zwischen Schwab und den anderen bräunlichen bis kackbraunen Volksgenossen ist folgender: Schwab kann ein bemerkbares Maß an Intelligenz nicht abgesprochen werden. Ein Denker unter Deppen.
Und so können wir tatsächlich etwas von ihm lernen. Aber der Reihe nach.

Denn zuerst lernte Schwab von uns etwas. Bei einer linken Veranstaltung über Antonio Gramsci (siehe Bild), die Schwab vor Jahren am Untermain besuchte, wurde er auf die Hegemonie-Thematik aufmerksam.
Das brachte ihn zu einer späteren Wahlaussage: Er halte zwar die Republikaner (REP) nicht mehr für eine wirklich nationale Partei; aber die Bevölkerungsmehrheit würde dies tun, hielten die REP gelegentlich sogar für Nazis. In Ermangelung einer anderen (für ihn echten) nationalen Partei empfahl er bei der damaligen Wahl, die Stimme also für die REP abzugeben. Denn im Sinne der Beförderung rechter Hegemonie (Vorherrschaft) in unserer Gesellschaft spiele es eine große Rolle, ob eine als extrem rechts empfundene Partei in den Parlamenten sitzt. Dies bestimme den Diskurs in einer Gesellschaft wesentlich. Soweit Schwab. Und damit wären wir bei der komenden Wahl.
Denn was lernen Linke aus den Ausführungen des Herrn Schwab in Bezug auf den aktuellen Wahlgang? Zumindest, dass es auch wichtig ist, ob eine als links empfundene Partei in den Parlamenten sitzt. Und dies gilt selbst dann, wenn wir diese Partei gar nicht für so übermäßig links halten sollten. Denn Schwab hat hier recht: Wenn bestimmte Positionen überhaupt nicht mehr diskutiert bzw. wahrgenommen werden, dann verschiebt sich der gesellschaftliche Diskurs in die andere Richtung. Also: Wenn die Partei Die Linke - die (berechtigt oder nicht) für linke Ideen wie Solidarität, Gerechtigkeit, soziale Politik steht – nicht mehr in den Parlamenten sitzt, dann wird das rechte Denken alternativlos. Zumindest auf parlamentarischer Ebene. Und die ist für die Meinungsbildung „in diesem unserem Lande“ (H. Kohl) nicht unwesentlich.

Wer nun ein gutes Gedächtnis hat, wird sich erinnern, dass obiger Beitrag – in leicht anderer Form – bereits auf kommunal erschien, dort aber nach der Umgestaltung der Seite nicht mehr verfügbar ist.
Damals entwickelte sich diesbezüglich eine kleine Diskussion auf subradical (HIER) und kommunal ging ebenfalls eine interessante Antwort zu, die hier nicht unterschlagen werden soll:
„`Wenn die Partei Die Linke – die (berechtigt oder nicht) für linke Ideen wie Solidarität, Gerechtigkeit, soziale Politik steht – nicht mehr in den Parlamenten sitzt, dann wird das rechte Denken alternativlos.´ Meiner Ansicht nach triffst du hier genau den Punkt: Wenn `die Linke´ für diese linke Ideen stehen würde, liese sich gerne darüber diskutieren. Aber was die Linke von sich gibt (die Basis mal ausgeschlossen) trägt mehr zu einer einseitigen Wahrnehmung linker Ideen bei.
Diese Partei, deren Hoheitsanspruch sich schon in ihrem Namen manifestiert, ist auf dem besten Wege linker Politik einen – und zwar ihren eigenen – Stempel aufzudrücken, der von der Mehrheitsgesellschaft eben als `links´ wahrgenommen wird. Andere Formen linker Politik werden somit noch weiter an den Rand gedrängt und verschwinden dauerhaft von der Bildfläche. Den Glauben, dass eine sehr schwache außerparlamentarische, radikale Linke von einer starken linken Partei Vorteile ziehen könnte, halte ich für äußerst naiv.
Immer dann, wenn die radikale Linke in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, wird sich an alles geklammert was einem Halt bieten könnte – sei es auch noch so fremd. Da werden Ansprüche wie basisdemokratisch, außerparlamentarisch, antikapitalistisch etc. gerne über Bord geworfen bzw. in den Hintergrund gestellt.
Gerade jetzt wäre es doch wichtig `echte Alternativen´ zu propagieren und sich `von unten´ zu organisieren – und sich dabei selbst an seinen eigenen Ansprüchen zu messen auch wenn dieser Weg sicher zäh, lange und steinig wird.“

Nun, es sei niemand daran gehindert, anlässlich der kommenden Wahl diese Diskussion auf subradical wieder aufzunehmen.


1 Antwort auf „Vor der Bundestagswahl: Jürgen S. & Antonio G.“


  1. 1 (Was) wählen? – Teil II « Theorie als Praxis Pingback am 25. September 2009 um 23:19 Uhr
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