Offener Brief: Michaelismesse verbieten!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bieber,

Sie haben den Miltenberger Jugendtreff in der Alten Volksschule Ende letzten Jahres geschlossen, da einer der jungen Leute eine Sachbeschädigung begangen hatte. Außerdem sei Alkohol getrunken und sogar geraucht worden.

Dass auf der Michaelismesse ebenfalls geraucht wurde: Schwamm drüber, das ist Seehoferscher Populismus, den lassen wir hier unbeachtet. Aber: Den Zeitungen der letzten Tage entnahmen wir folgende Meldungen: „Körperverletzungen auf der Michaelismesse“, „Diebstahl von 4 Maßkrügen“, „Betrunkener beleidigt Beamte“. Anderntags wird ausgeführt: „Zu einer gefährlichen Körperverletzung kam es bereits am Samstag … Insgesamt wurden dabei fünf Festzeltbesucher verletzt.“ „Eine weitere gefährliche Körperverletzung ereignete sich gegen 1.45 Uhr ebenfalls im Festzelt.“ Und: „Jugendlicher mit 2,34 Promille“, „mit alkoholisierten jungen Leuten musste sich die Miltenberger Polizei am ersten Messe-Wochenende des öfteren beschäftigen“. Doch nicht nur die Jugend soff wie die Löcher: „Auf dem Heimweg von der Michaelismesse ist ein 71-Jähriger am Samstagnachmittag in der Mainstraße mit seinem Fahrrad gestürzt. Wie die Polizei mitteilt, zeigte der Alkotest 1,6 Promille an.“ Auch der Sicherheitsdienst erwies sich als Sicherheitsrisiko: „Gegen die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma wird Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet.“ Sie sagen, das sei doch gar nichts. Stimmt, wir haben beim besten Willen nicht alle Vorfälle bei der diesjährigen Michaelismesse erfassen können, eher eine kleine Auswahl.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, gemäß Ihrer harten Linie (Zero Tolerance?) erwarten wir nun als Selbstverständlichkeit, dass die Michaelismesse 2010 abgesagt wird. Sachbeschädigungen, Diebstähle, Beamtenbeleidigung (sicher auch in mehreren Fällen), zahlreiche Akte der Körperverletzung und jede Menge schwerst Alkoholisierte – das sind doch mehr als zwingende Gründe für ein Messeverbot. Wir schlagen sogar vor, die Messe für zehn Jahre auszusetzen. Greifen Sie durch! Zeigen Sie Härte! Sie können das, das wissen wir.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sie haben betont, dass Sie einen neuen Jugendtreff eröffnen werden, irgendwann einmal, mit Aufsichtsperson, aber ohne Jugendliche aus anderen Gemeinden (die sollen im Miltenberger Treff keinen Zutritt haben). Wir finden das konsequent: Miltenberg den Miltenbergern! Wenn Sie also die Michaelismesse wider Erwarten nicht verbieten werden, dann sorgen Sie aber mindestens dafür, dass auch hier die Miltenberger unter sich bleiben! Denn Sie als Jurist wissen: Gleiches Recht für alle!

Untertänigst und in Erwartung Ihrer harten Hand

Petra Fest-Celt
Manni Biergrugg
Almut Popp-Korn
Rüdi Suph-Cop
Werner Fiszbroetchen
Gundel Pfanne
Sandy Schminkeimer-Tischsteher
Kevin Hautdrauf (Security)

Editorische Anmerkung: Obige Glosse ist uns zugegangen. Herzlichen Dank!


3 Antworten auf „Offener Brief: Michaelismesse verbieten!“


  1. 1 Miltenberger 07. September 2009 um 17:35 Uhr

    Link zu diesem Artikel (Trackback scheint nicht zu funktionieren):

  2. 2 Karl Karusell 09. September 2009 um 7:54 Uhr

    Eine kleine Ergänzung sei erlaubt. Der Bote vom Untermain (also das Miltenberger Main-Echo) schreibt heute: „Einen neuen Bierrekord haben die Festgäste laut Bieber nicht aufgestellt, aber es kam zum zweithöchsten Umsatz in der Geschichte der Messe.“ Klar: „Es ist ein Spruch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör“, wusste schon Wilhelm Busch. Und der Likör kann auch mal Bier sein.
    Weiter schreibt der „Bote“, dass „die Beamten eine zunehmende Gewaltbereitschaft konstatierten. Dies führte zu elf Anzeigen wegen Körperverletzung, neun gab es wegen Beamtenbeleidigung.“ Das waren aber bei weitem nicht alle Gewalt- und sonstigen illegalen Taten, sondern nur die, die zur Anzeige kamen.
    Schließlich wurden auch noch „rund 20 bis 25 Tonnen Müll“ produziert.
    Na, das hätten sich die jungen Leute aus der JUI mal erlauben sollen …

  3. 3 mb 13. September 2009 um 19:22 Uhr

    Auf miltenbergautonom.blogsport.de wurde folgender Beitrag veröffentlicht:

    Vom 28.08. bis zum 6.09. fand in Miltenberg die alljährliche Michaelismesse statt. Jahr für Jahr wird sie als DAS Großereignis des Umkreises angepriesen. Mit überteuerten Fahrbetrieben und Bier lockt sie tausende Besucher an und bietet zusätzlich wie jeder andere Jahrmarkt auch Essens- und weitere Verkaufsstände. Traditionell sind solche Veranstaltungen auch Magnet für Menschen rechtsextremer Gesinnung.

    So kam es beispielsweise vor dem Weinzelt zu einem Übergriff durch bekannte Nazi-Schläger auf einige Punker. Während der Auseinandersetzung zog eine der Nasen einen Teleskopschlagstock, welcher glücklicherweise doch nicht benutzt wurde, da Securitykräfte eintrafen. Die Nazis zogen sich ins Zelt zurück, während die sich sammelnde antifaschistische Jugendliche vom Sicherheitspersonal zurückgedrängt wurden. Als der Neonazi später von Polizisten durchsucht wurde, konnte der Schlagstock nicht gefunden werden. Durch hohen Alkoholkonsum aufgeputscht versuchte der Faschist später noch einmal die Jugendlichen anzugreifen. Er wurde allerdings von Ordnungshütern aufgegriffen, was ihn nicht daran hinderte, „zum Abschied“ den Hitlergruß zu zeigen.
    Abgesehen von diesem Vorfall kam es die ganze Zeit über zu regelmäßigen Pöbeleien durch „stolze Deutsche“, die auch keine Probleme damit hatten, ihrer Meinung in Form von T-Shirt-Sprüchen wie „Nationalisten Deutschland“ offen kundzutun. Solche Aufschriften mit rechtsextremem Hintergrund prägten das tägliche Bild der Messe. Scheinbar hatte weder der brave Messebesucher von nebenan noch Sicherheitsbedienstete Probleme damit. Anders sah es aus, wenn mensch optisch dem linken Spektrum zugeordnet wurde. So wurde einem Jugendlichen der Eintritt ins Bierzelt verwehrt, da das Sicherheitspersonal (Zitat:) „keine linken Bazillen“ dort sehen wollte. Nachdem der betroffene Jugendliche sich dann doch noch über einen Seiteneingang Zutritt verschaffte und von denselben Sicherheitskräften im Zelt angetroffen wurde, warfen sie ihn wieder hinaus. Dann fand eine verbale Auseinandersetzung statt, bei der sich diese selbst als „Nazis“ bezeichneten, woraufhin die Situation eskalierte und der Jugendliche zu Boden geschlagen wurde. Dabei verletzte er sich das Knie und die Nase, wurde festgenommen und erhielt ein Messeverbot. Zu allem Überfluss hat er nun noch Anzeigen wegen Beamtenbeleidigung und Körperverletzung am Hals.
    Das Sicherheitspersonal betreffend war dies nur ein Vorfall von vielen, so war beispielsweise am Montag, den 31., war im ,,Bote vom Untermain“ von einem anderen Vorfall zu lesen. Ein Jugendlicher, der auf einem Tisch tanzte, wurde von Securitykräften aus dem Festzelt geprügelt und gegen einen Container geschleudert, wobei er so stark verletzt wurde, dass er im Krankenhaus stationär behandelt werden musste.

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