Die NPD – Nazis, Pöbel, Deppen?

Ausführlicher Hintergrundbeitrag zur NPD – aus gegebenem Anlass

Aus dem Schwur der Häftlinge von Buchenwald:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“
Am 19. April 1945 kamen im befreiten Konzentrationslager Buchenwald 21.000 Männer und Knaben zu einer Trauerkundgebung zusammen und legten diesen Schwur von Buchenwald ab, der in französischer, russischer, polnischer, englischer und deutscher Sprache vorgetragen wurde.

NPD – der offene Nazismus hebt sein Haupt

Es ist Wahl – und die Partei der neuen und alten Nazis, die NPD, versucht mal wieder, Stimmen zu fangen. Es wird in Aschaffenburg eine Moschee gebaut – und die NPD will von den rassistischen Vorurteilen in der Bevölkerung profitieren und Mitglieder werben.

NPD am bayerischen Untermain

Betrachten wir zuerst einmal, wie sich die NPD am bayerischen Untermain zeigt.
Der NPD Kreisverband Aschaffenburg-Miltenberg hat es offensichtlich geschafft, alle anderen neonazistischen Gruppen zu integrieren oder an den Rand zu drängen. Weder die einstige Kameradschaft Miltenberg mit ihrer Postille Mainbogen noch der Widerstand Aschaffenburg zeigen derzeit eigenständige öffentliche Aktivitäten. Und die Redaktion der regionalen NPD-Internetseite wird von keinem geringeren als Falko Schüßler (mit Adresse in Berlin) verantwortet, jenem einstigen Aschaffenburger Ortsgruppenleiter (oder wie immer das dort hieß) der offen hitleristischen FAP. Ehefrau Sigrid scheint ebenfalls bei der NPD gelandet zu sein und betätigt sich als Kinderbelustigerin bei Volksfesten der Partei, so beim NPD-Bayerntag 2007. Auch wurde sie sehr ausführlich in der Parteizeitung Deutsche Stimme interviewt. Ihr Theater Hollerbusch wurde aber auch schon mal zum Drachenfest des Kreisjugendamtes Aschaffenburg und in mehrere Kindergärten eingeladen, was sich erst änderte, als die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf ihren weltanschaulichen Hintergrund aufmerksam machte. Die Lokalpresse in Aschaffenburg kürte sie beim Existenzgründungswettbewerb allerdings zur Top-Jungunternehmerin. Ihr Ehemann Falko betreibt die Werbeagentur Propagandakompanie. Der NPD-Mann war offensichtlich führendes Mitglied der Kameradschaft Widerstand Aschaffenburg. Im September 2003 stieß die Polizei bei einer Razzia in einem paramilitärischen Zeltlager dieser Kameradschaft auf verbotene Waffen und Sprengstoff. Seiner Propagandakompanie scheint dies nicht geschadet zu haben, denn auf der Referenzliste finden sich Namen renommierter Unternehmen, Kommunen und Vereinigungen.
Volker Cigelski (Sulzbach) ist am 27. September 2009 NPD-Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Main-Spessart/Miltenberg. Der 1953 geborene Technische Kaufmann ist erst seit 2006 Parteimitglied, war aber schon 2008 Direktkandidat für Miltenberg bei der Landtagswahl. Seine parteipolitischen Ämter: Schatzmeister im Kreisverband Aschaffenburg/Miltenberg, Bezirksvorsitzender Unterfranken. Direktkandidat für Aschaffenburg ist Udo Sieghart, 52 Jahre alt, Einzelhandelskaufmann und in Hof lebend (bei Bundes- und Landtagstagswahlen muss ein Direktkandidat nicht im Wahlkreis wohnen). Er ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender des NPD-Bezirks Oberfranken, sondern auch Bundesgeschäftsstellen-Leiter des Kampfbundes Deutscher Sozialisten (KDS; wurde 2008 aufgelöst) sowie führender Funktionär des Kameradschaftsbundes Hochfranken.
Bei der Landtagswahl 2008 kandidierte Günter Kursawe (geb. 1959) aus Kronach für den Stimmkreis Aschaffenburg-Ost. Der zeitweilig eifrige Leserbriefschreiber in der nationalistisch-konservativen Jungen Freiheit war einst stellvertretender Leiter der inzwischen verbotenen Neonazi-Gruppierung Nationaler Block (NB). Der Verein zeigte, so die Verbotsverfügung, eine Wesensverwandtschaft mit dem NS-Regime und richtete sich in aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung. Der NB forderte nicht weniger als die Errichtung eines Deutschen Reiches unter Einschluss aller ehemals „von deutscher Mehrheit besiedelten Gebiete“.
Horst Fuchs kandidierte bei dieser Wahl in Aschaffenburg-West. Der Rentner stammt aus Burgpreppach.
Bei der Bundestagswahl 2005 kandidierte Dana Paulus (Jahrgang 1980) aus Erlangen in Aschaffenburg.
Wir sehen an der Tatsache, dass die NPD immer wieder Kandidaten von außerhalb auffahren muss, wie gering die Menge an vorzeigbarer Parteimitglieder am bayerischen Untermain wirklich ist.
Derzeit treffen sich NPD-Mitglieder und „freie Kräfte“ (das sind so genannten Autonome Nationalisten oder Mitglieder von Freien Kameradschaften) jeden ersten Freitag im Monat zu einem Kameradschaftsabend.
Dabei sitzen wohl auch einstige Kader der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ), die ihre Leitstelle Süd in Alzenau hatte. Die HDJ wurde am 31. März 2009 durch den Bundesinnenminister verboten. Grund für das Verbot war die im Verein betriebene „Heranbildung einer neonazistischen `Elite´“ und die „ideologische … Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche durch Verbreitung völkischer, rassistischer, nationalistischer und nationalsozialistischer Ansichten im Rahmen vorgeblich unpolitischer Freizeitangebote“.
Die Gewaltbereitschaft, die der NPD wie allen anderen Nazigruppen eigen ist, zeigte sich u.a. 2008 am Rande eines Infostandes dieser Partei in Aschaffenburg. Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts beobachteten diesen. Obwohl es keinerlei Provokationen gab und die Beteiligten alle unbewaffnet waren, griffen die NPD-Anhänger die Leute des Bündnisses gegen Rechts mit CS-Gas, Teleskopschlagstöcken und Knüppeln an. Die Angegriffenen konnten sich alle durch Flucht retten, allerdings wurden mehrere durch CS-Gas-Attacken verletzt.


Demonstration 1997 gegen den damals jährlichen Aufmarsch der NPD in Aschaffenburg

Aber was ist die NPD eigentlich?

Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands, wie sich die NPD ausgeschrieben nennt, entstand aus Resten der Deutschen Reichspartei und anderer Gruppen. Sie galt für viele als Sammelbecken überzeugter Anhänger von Hitlers NSDAP, was sich auch heute noch in der positiven Bezugnahme auf das Dritte Reich zeigt.
„Die NPD hat sich in den letzten Jahren zum gefährlichen Kristallisationskern des gesamten Neofaschismus entwickelt. Die NPD-Führung hat ein funktionsfähiges Bündnis mit gewaltbereiten Gruppen geschlossen und eine eindeutige und zunehmende Dominanz im Spektrum neofaschistischer Wahlparteien errungen. Eine solche Situation gab es in der Bundesrepublik noch nie. Im Rahmen der sozialen und politischen Krisen wirkt sich die NPD stark negativ aus. Sie ist ein aktiver und demagogischer Gegner jeder progressiven Politik. Nichts deutet darauf hin, dass sich dieses Problem von selbst erledigen würde“ stellt die Kampagne für ein Verbot der NPD fest (www.npd-verbot-jetzt.de).

Was will die NPD?

Rassismus, Militarismus, Antisemitismus, Gewaltverherrlichung, Geschichtsfälschung, halbgare Kapitalismuskritik, soziale Demagogie und das Schüren von Angst – all das findet sich bei der NPD. Sie darf als faschistisch bezeichnet werden.
Das Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin stellt fest: „Die NPD ist die älteste neonazistische Partei Deutschlands – aber sie ist auch die modernste. Sie hält heute über hundert kommunale Parlamentsmandate. Seit der sächsischen Landtagswahl im September 2004 ist sie erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten auch wieder in Landtagen vertreten.
Ihr Programm basiert auf einer völkischen Ideologie, es vereint Rassismus, Nationalismus und eine Verherrlichung des Nationalsozialismus mit scheinbar sozialistischen Schlagworten – heraus kommt dann der Slogan `Sozialismus nur für Deutsche´.
Im Parteiprogramm wird das Ideengut der `Neuen Rechten´ übernommen und versucht, durch pseudowissenschaftliche Begründungen überzeugend zu sein.“


Plakat zur Demonstration gegen die NPD-Aufmärsche in Aschaffenburg, 1997

Entlarvend: Die NPD in den Parlamenten

Seit dem Anschluss der einstigen DDR an die Bundesrepublik Deutschland erlebt der deutsche Faschismus (vor allem im Osten der Republik) neue Erfolge, die sich auch in Wahlergebnissen niederschlagen. Die derzeitigen Ergebnisse übersteigen teilweise die erschreckenden Wahlerfolge der NPD vom Ende der sechziger Jahre, als sie es fast in den Bundestag geschafft hätte.
Das Verhalten der NPD-Abgeordneten und -Funktionäre ist allerdings sehr entlarvend und soll daher hier in einigen wenigen Fällen näher beleuchtet werden.
So hat in Sachsen ein NPD-Abgeordneter „seine Sympathie für jene Sonderzüge bekundet, die in der NS-Zeit Menschen in die Vernichtungslager brachten“ (Handelsblatt).
NPD-Chef Udo Voigt sprach in Bezug auf alliierte Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg vom „Bomben-Holocaust“. Dieses Unsinnswort sollte die Tatsachen schlicht und ergreifend verdrehen: Die militärisch unvermeidliche Antwort auf den Angriffskrieg des Dritten Reiches wird zum eigentlichen Bösen erklärt. Gleichzeitig wird der Holocaust, die industrielle Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, verharmlost. Es sei ja nur ein Holocaust unter vielen gewesen, nicht so schlimm, vergleichbar mit Kriegshandlungen. Ein Beispiel für neofaschistische Geschichtslügen!
Passend dazu die Aussage des schleswig-holsteinischen NPD-Politikers Ingo Stawitz. Er sprach vom „alliierten Völkermord an den Deutschen“, um so die historische Tatsache des deutschen Völkermords an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma herabzuspielen und letztendlich zu leugnen.
Wegen mehrfacher Körperverletzung, Beamtenbeleidigung und Volksverhetzung ist der hessische NPD-Funktionär Marcel Wöll verurteilt. Gegen Peter von der Born, NPD-Politiker und Kandidat auf der Landesliste Schleswig-Holstein, ermittelte u.a. wegen Vorfällen am Rande einer Parteiveranstaltung die Staatsanwaltschaft; wegen Gewaltdelikten ist er bereits mehrfach verurteilt. Sein Parteikollege Heino Förster ist ebenfalls bereits vorbestraft wegen versuchten Mordes an Asylbewerbern!
Nochmal die Kampagne für ein Verbot der NPD: „Faschistische Politik läuft auf politisch motivierte Gewaltverbrechen hinaus. Wer eine solche anstrebt, fordert oder fördert, plant mithin Schwerstkriminalität. Es gibt keinen Grund, dies zu tolerieren, eben so wenig wie im Falle anderer Totschläger, Mörder und ihrer Helfer. Das Grundgesetz kennt deshalb auch keine Toleranz gegenüber Diskriminierung aus rassischen, religiösen und anderen Gründen, der Aufstachelung zum Rassenhass und der Vorbereitung und Führung von Angriffskriegen. Das Strafgesetzbuch kriminalisiert ebenfalls und zu Recht faschistische Ideologie.“
Die Parlamentarier und Funktionäre der NPD zeigen in ihrem Verhalten schon heute, wie sie sich die generelle Politik nach einer „Machtübernahme“ vorstellen.


Demonstration gegen Nazis 2005 in Aschaffenburg

Die Glocken von Miltenberg

Am 22. Juli 2006 erlitt die NPD in Miltenberg eine derbe Niederlage: Laut Tagesspiegel rund 100 Gegner/innen störten mit Parolen und Geräuschen eine versuchte NPD/JN-Kundgebung, machten die Reden der Nazis unverständlich; und der Ortspfarrer läutete die Glocken, bis die NPD frustriert abzog. „Die Politik verlangt nach Zivilcourage, alle paar Wochen ruft sie einen Aufstand der Anständigen aus. Und ein katholischer Pfarrer aus einer kleinen Stadt im konservativen Bayern hat gezeigt, wie es funktionieren könnte. Mit Witz, Spontaneität, Chuzpe. Im Kleinen, aber mit großer Wirkung.“ So schrieb dazu der Tagesspiegel.
Der immer wieder benutzte Vergleich mit den Taten von Don Camillo in den gleichnamigen Büchern und Filmen ist allerdings unzulässig: Sowohl Pfarrer Camillo als auch sein Gegenspieler, der kommunistische Bürgermeister Peppone, waren aktive und bewaffnete Antifaschisten – und sich zumindest in dieser Frage völlig einig!
In Miltenberg wurde aber auch klar, wie unwirksam der offizielle Antifaschismus, der „Aufstand der Anständigen“ sein kann: Die Parteijugend von CSU, SPD, FDP und Grünen demonstrierte mit dem Miltenberger Bürgermeister und nur gut 100 Menschen zeitgleich mit der NPD und möglichst weit weg vom Geschehen gegen den Naziaufmarsch. Die Parteijugendfunktionäre überließen es einigen klar denkenden Ortsansässigen, vielen aktiven AntifaschistInnen und dem Ortspfarrer, wirklich etwas gegen den Aufmarsch von JN/NPD zu unternehmen und diesen letztlich wirksam zu verhindern.


Am 25. Januar 2009 wurde Ulrich Boom in Würzburg zum Weihbischof geweiht. Viele sehen dies auch als Folge seiner herausragenden Aktion 2006 in Miltenberg.

NPD = Nazis, Pöbel, Deppen

Nicht für National“demokratische“ Partei sollte das Kürzel NPD stehen, sondern für Nazis, Pöbel, Deppen.
Nazis sind jene alten und neuen Hitlerverehrer, Rassisten, Antisemiten und Antidemokraten, die sich schon seit ihrer Gründung in dieser Partei finden.
Pöbel dürfen sich die Teile der NPD-Mitglieder und –Wähler nennen lassen, die ohne jede menschliche Grundhaltung und ohne eine Spur historischen oder sonstigen Wissens ihre dumpfe Aggressivität an Schwächeren und gesellschaftlich Ausgegrenzten ausleben und sich dabei parteipolitisch auf die NPD beziehen (was nach deren Selbstverständnis auch völlig naheliegend ist; im Rechtsextremismus findet sich immer der denkfaule und verrohte Abschaum einer Bevölkerung).
Deppen schließlich sind jene, die die NPD aus Protest oder sonstigen „rationalen“ Gründen wählen; Deppen, weil sie wissen könnten, dass die NPD nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist: Zwangsarbeit statt soziale Rechte, Arbeitslager statt Politik für Lohnabhängige, Überwachungsstaat statt Bürgerrechte, Aufrüstung und Militarismus statt Frieden und internationale Solidarität … Insgesamt steht die NPD dafür, alle schlechten Entscheidungen der bürgerlichen Politik noch schlechter, noch unmenschlicher zu machen! Und da haben wir auch schon ein anderen Problem: Die nicht-nazistische Politik kann derzeit erheblich Unmenschlicheres anrichten als alle Nazis zusammen. Selbst bei Zunahme der tödlichen Übergriffe auf Migranten, Obdachlose, Punks, Linke etc. benötigten die Nazis mehr als 100 Jahre, um die Anzahl der Toten zu erreichen, die die europäische bürgerliche Politik jährlich im Mittelmeer zu verantworten hat; denn die extreme Abschottungspolitik führt beständig dazu, dass Armutsflüchtlinge aus Nordafrika mit untauglichen Booten Richtung Europa schippern müssen und zu Tausenden kentern und ertrinken.
Die NPD und andere Nazis mögen das offensichtlichste Problem darstellen, das größte sind sie derzeit nicht. Das heißt aber nicht, dass Demokratinnen und Demokraten nicht gegen sie aktiv werden müssten.

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Stand der Internetrecherche zu diesem Beitrag: 20.09.09
Die Fotos stellte kommunal zur Verfügung.


4 Antworten auf „Die NPD – Nazis, Pöbel, Deppen?“


  1. 1 mb 21. September 2009 um 13:13 Uhr

    Der Beitrag „NPD – Nazis, Pöbel, Deppen?“ endet mit einem Hinweis auf die „ganz normale“ Politik, die schlimmer sein kann als alles, was Nazis derzeit anrichten können. Ein uns per Email zugegangener Kommentar von Michael Baumann fängt bei diesem Gedanken an und führt ihn weiter aus. Der Beitrag wird zur Diskussion wärmstens empfohlen.

    Die Nazis, Deutschland und die Politik

    Die Empörung gegen die NPD und die verbale Distanzierung von ihr, welche regelmäßig von CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE/LINKE verbreitet wird, übertönt im Inland und (vielleicht) im Ausland eine deutsche Außenpolitik, die sich an Blut und Genen orientiert und von ganz weit rechts außen kommt und sich trotz zwei Weltkriegen nicht ändert.

    Ein Link des Tages:
    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57619

    Hier wird vielleicht mit Hilfe Deutschlands der nächste innereuropäische Krieg angezettelt und gerade die regelmäßige lautstarke Empörung aller Parteien gegen die NPD verschleiert, dass die deutsche Realpolitik der „unterdrückten Völker und Minderheiten“ trotz des Nationalsozialismus fortgeführt wird – diesmal natürlich kalt und „auf der guten Seite“ und nicht heiß wie im Krieg und gegen Israel nie direkt.

    „Wir Deutsche können gar keine Nazis sein, weil wir ja gemeinsam gegen die NPD sind“. Das ist das Bild, dass sich eine deutsche Regierung im Ausland wünscht: Lichterketten medial aufbereitet, um der Welt zu zeigen, wie anders wir geworden sind. Und wenn die NPD wirklich einmal verboten werden sollte, wäre alleine dies schon ein Grund für die Regierung sich eine neue NDP herbei zu sehnen. (Schließlich soll ja keiner mitbekommen, dass die deutsche Außenpolitik seit den Nazis gleich geblieben ist, nur nicht mehr so plump. Und wenn sich dann partout keine NDP mehr gründen will, muss eben der Verfassungsschutz entsprechend aktiv werden.)

    Der Aufhänger deutscher Außenpolitik sind nicht wirklich demokratische Rechte für unterdrückte Menschen. Wenn es die Wahl gibt zwischen der Unterstützung einer Aktion gegen unterdrückte Menschen in einem Land oder Hilfe für eine völkische Minderheit, wird tendenziell die völkische Minderheit bevorzugt, selbst wenn diese undemokratisch organisiert ist und Gewalt in dem Land vorbereitet.

    Der Außenminister schwört im Amtseid, die Interessen Deutschlands zu vertreten. Und das tut er wirklich – auch unter Joseph Fischer. Alles, was der/die Deutsche für ihr Luxusleben benötigen, wird strategisch in Bündnissen gesichert: Zugang zu Ölquellen, Transportwege, Sicherstellung billiger Arbeitskräfte im Ausland, Verträge mit Staaten wie China, Iran oder Saudi-Arabien, etc.

    Ich weiß nicht, wieviele Menschen aufgrund deutscher Außenpolitik täglich
    leiden, sterben oder hungern; es werden aber wesentlich mehr sein, als
    NPD-Dorfnazis jemals verprügeln können.

    Ich habe vor längerem überschlagen, wieviel Öl Deutschland eigentlich verbrauchen dürfte, wenn die täglich geförderte Menge auf alle Menschen dieser Welt verteilt werden würde? Wir verbrauchen pro Person in Deutschland täglich 4,8 Liter; gleichmäßig verteilt ständen uns 2,3 Liter zu. Das ist das Ergebnis: Jede(r) Deutsche lässt das Auto ab dem 15. eines Monats stehen, läuft zu Fuß und heizt nicht mehr. Chinesen verbrauchen täglich 0,7 Liter und Bengalen aus Bangladesh 0,08 Liter – etwa eine kleine Tasse Kaffee.

    Als Weltbürger betrachtet ist selbst der Hartz-4-Empfänger Nutznießer deutscher Politik und ein passiver Ausbeuter, auch wenn er innerhalb der deutschen Hühnerhierachie den vorletzten Platz einnimmt. Aktive Ausbeuter, Menschen der „freien Wirtschaft“ oder Staatsbeamte „verbraten“ natürlich mehr auf Kosten des Weltbevölkerung.

    Und die Regierung weiß, das besonders der kleine Mann und die kleine Frau gar nicht wissen wollen, wieso die Waren in Deutschland so billig sind, wieso 3/4 der Weltbevölkerung von Hartz 4 nur träumen können. Darum erzählt sie uns auch nichts von der Realpolitik. Dies ist der Pakt der Deutschen mit ihrer Regierung – und wäre es auch mit einer linken. Die guten Besserverdiener seien nicht unerwähnt, welche grün oder liberal wählen und ihr Gewissen durch Unterstützung eines Ökoprojekts in der Dritten Welt entlasten oder alternativ über die Rotarier ein brasilianisches Kindergartenprojekt aufbauen…

    Wenn DIE LINKE gegen die Arbeitsaufnahme von Polen in Deutschland ist (Bolkenstein, etc.), weil sie Lohndumping befürchtet UND gleichzeitig zur Expansion deutscher Staats(-Konzerne) im Ausland schweigt, ist selbst eine FDP gerechter, welche Ausländern im Inland wenigstens die gleichen Rechte geben will wie Ausländern deutschen Konzernen.Wo bleibt denn der Protest DER LINKEN, wenn Volkswagen die Gewinne seiner ausländischen Werke nach Wolfsburg transferiert, um das Werk künstlich am Leben zu erhalten? Wo bleibt der Protest gegen die Ausbeutung der Ungarn, Spanier, Brasilianer und Inder, wo der Versuch Druck auf den Volkswagenvorstand auszuüben, dies gefälligst zu unterlassen?

    Hat sich schon jemand gefragt, warum gerade die deutschen Transportkonzerne Deutsche Post und Deutsche Bahn mehr oder weniger staatlich bleiben? Weil der Staat deutschen Konzernen so eine Logistik im Ausland bereitstellt, damit sie unabhängig von örtlichen oder „fremdstaatlichen“ Konzerne bleiben, denn es herrscht (sowieso) Wirtschaftskrieg und ein großer Gewinner dieser „Globalisierung“ ist dank SPD und GRÜNE Deutschland.

    Wo ist der Protest gegen die EU-Agrarsubventionen, die uns billige Lebensmittel beschert, aber afrikanische Bauern in den Ruin treibt, weil EU-Gemüse und -Fleisch in Afrika nur 1/3 von dem kostet, was der Bauer verlangen muss, damit er überleben kann. Wir nehmen ihnen die Lebensgrundlagen, schotten uns aber ab, wenn sie aus Not nach Europa kommen wollen. Der Gewinner des Schengener Abkommens ist Deutschland. Versuch mal nach Deutschland zu kommen, ohne über ein Schengener Drittland zu reisen. Aber es reichte noch nicht: Der 68er-Aktivist Otto Schily regte Lager in Nordafrika an – und tat alles, sie zu bekommen, bei denen er Flüchtlinge von Gaddafi jagen und fangen lässt. Rommel würde über Nachkriegsdeutschland staunen, was alles ohne NSDAP erreicht wurde.

    Deutschand (welch ein Vertipper) ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Die irrationale Angst vor dem Terror, ist eine Maskierung des schlechten Gewissens, des Lebens auf Kosten anderer Menschen in der Welt, eine Angst, dass sie sich das zurückholen, was wir klauen.

    „Raus aus Afghanistan“ OK, aber ein Verbot der Waffenexporte vernichtet ARBEITSPLÄTZE. Nun DIE LINKE, zeig mal, wie ernst Du es wirklich meinst und vernichte diese Arbeitsplätze. Münterfering sagte mal etwas von der nationalen Linken. Nationale Linke. Ich glaube, darum fühlte sich die NPD vor allen von DER LINKEN im Kampf um Wahlstimmen bedroht. Darüberhinaus sollte man einige Linke mal fragen, was der Unterschied ihres Antizionismus und Antiimperialismus zum Antisemitismus und Ostküstenkapitalismus der NPD ist? Die Antworten könnte man anschließend „dem kleinen Wähler“ vorlegen und ihn fragen, ob er den Unterschied begreift? Dann verstehen wir vielleicht die Angst der NPD vor DER LINKEN. (War es nicht Stalin, der im Kampf gegen die Imperialisten die „Protokolle der Weisen von Zion“ im Nahen Osten wieder auflegte?)

    20 Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten – und Umbenennung des Fernsehens der DDR in „Mitteldeutscher Rundfunk“ – verstehe ich, warum Margret Thatcher 1989 vehement gegen die deutsche Wiederveinigung war. Wo liegt jetzt eigentlich Ostdeutschland? Wo ist die Initiative, welche die Rundfunkanstalt in Ostdeutscher Rundfunk umbenennen will – und sei es nur zur Beruhigung Polens?

    Michael Baumann

  2. 2 Antifant 25. September 2009 um 19:48 Uhr

    Interessanter Artikel. Bitte mehr davon!!!!

    Was ist eigentlich aus Auszeitnews geworden? Sind die tot? Macht ihr das jetzt inoffiziell weiter?

  3. 3 himmelblau 01. Oktober 2009 um 16:55 Uhr

    wirklich ein guter artikel, wobei mich auch mal die antwort auf antifants frage interessieren würde… vll ein öffentliches statement dazu…

  4. 4 Administrator 01. Oktober 2009 um 17:42 Uhr

    Nein, mit Auszeitnews haben wir nichts zu tun. Es gibt ja auch noch andere Menschen die sich für Nazis interessieren. Fragt doch auf dem blog mal nach oder so.

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