Salzburg brennt! Aschaffenburg pennt.

„Hochschulstadt“ nennt sich Aschaffenburg voller Stolz. Mit gleichem Recht könnte sich der Ort auch „Landgerichtsstadt“ oder „Krankenhausstadt“ nennen, denn auch diese Einrichtungen sind hier beheimatet. Aber „Hochschulstadt“ scheint besser zu klingen.
Was aber ist so eine Hochschule? Und was ist sie speziell in Aschaffenburg? Eine Hochschule, ganz allgemein gesagt, ist eine Anstalt vor allem zur Ausbildung künftiger Führungskräfte oder akademischer Arbeitsloser. Die hier mit dem Geld aller Bürger/innen Lernenden sollen später auf möglichst viele dieser Bürger/innen herunterschauen können. Oder – wenn es schief läuft – als Erwerbslose wenigstens noch die nichtakademischen Arbeitslosen unter sich fühlen.
In Aschaffenburg kann Mann oder Frau Betriebswirtschaft oder Internationales Immobilienmanagement studieren, weiterhin Elektro- und Informationstechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Mechatronik; auch Internationales Technisches Vertriebs- sowie Energiemanagement, die Masterstudiengänge Wirtschaft und Recht sowie Elektro- und Informationstechnik werden angeboten. Apropos Master: Dazu gehört eben auch Bachelor (wörtlich: Junggeselle) – und beides sind die vollgepfropften und extrem verschulten Studienabschlüsse, die Diplom und Magister abgelöst haben und entstanden sind, um das lernende Menschenmaterial noch effektiver in den kapitalistischen Verwertungsprozess einzugliedern. Verbunden ist das Ganze mit überfüllten Hörsälen, Studiengebühren und was der Beschwernisse modernen Studierens mehr sind.
Dagegen wehren sich – von Österreich ausgehend – momentan Studierende auch in ganz Deutschland. Sogar aus Coburg – nicht gerade der Sitz revolutionären Denkens „in diesem unserem Lande“ (Kohl) – werden zumindest symbolische Besetzungen von Hörsälen gemeldet. Und in Aschaffenburg? Die derzeit rund 2.100 Studentinnen und Studenten besetzen nichts, demonstrieren nicht, haben aber unheimlich ernsthafte Probleme vorzubringen: „Eine Studentin bemängelte, dass sie in der Mensa für ein belegtes Brötchen eine Viertelstunde anstehen müsse.“ (Alle Zitate: Main-Echo, 18.11.09) Was sind dagegen Studiengebühren? Was ist ein zu geringes BAFÖG gegenüber so einem skandalösen Füreinbrötchenanstehenmüssen?
Ein 24jähiger Mitstudent: „Studiengebühren finde ich richtig und wichtig.“ Na, das ist ja schön! Ein anderer meint, „dass es bundesweit vor allem um nationale und internationale Studienprobleme geht, die unsere Hochschule nicht direkt betreffen“. Wie bitte?
In Wien, Salzburg und andernorts brennt die Luft. In Aschaffenburg wird für Brötchen angestanden. Vor diesen Studierenden am Untermain kann einem Nichtakademiker nur angst und bange werden. Denn diese überangepassten Damen und Herren könnten uns ja einmal als Chefs gegenübersitzen. Eine grauenhafte Vorstellung.
Vielleicht sollte sich Aschaffenburg einfach „Schulstadt“ nennen. Denn dann könnte wenigstens die Demonstration der 4.000 von 2004 zur Ehrenrettung angeführt werden, als es gegen die Einführung des achtklassigen Gymnasiums ging. Alleine die Schülerinnen der Maria-Ward-Schule zeigten damals mehr gesellschaftliches Verständnis als die ganze Hochschule heute!


3 Antworten auf „Salzburg brennt! Aschaffenburg pennt.“


  1. 1 Revolte !jetzt! 20. November 2009 um 21:02 Uhr

    Na dann, gute Nacht und süße Träume! Bis zum bösen Erwachen!
    Alles Schnarchnasen!

  2. 2 Wer auch immer 21. November 2009 um 10:25 Uhr

    Wunderschöner Kommentar!
    Anscheinend kommt außer den Campus-Tagen nichts bei rum an unserer Hochschule :(

  3. 3 Igor 25. November 2009 um 11:16 Uhr

    Es geht nicht nur darum eine Revolte zu fingieren, sondern auch etwas mit Inhalt zu fühlen. Das schafft Würzburg nicht, und andere ebenso nicht.

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