Archiv für Dezember 2009

Winterschlaf

Nach längerer Zeit melde ich mich auch mal wieder. Aus Zeitmangel konnte ich zuletzt keine Artikel veröffentlichen, obwohl mir einiges unter den Nägeln brennt. In Frankfurt ging es an der Uni heiß her, das Präsidium antwortete mit Gewalt auf die Besetzung der Studierenden. Nach und nach werden auch die anderen Unis „befriedet“, selbst die Besetzung in Wien wurde gewaltsam beendet. Über den Gehalt und die Sinnhaftigkeit der Aktionen wird natürlich auch debattiert. Ganz groß im Pöbeln: der letzte hype.
Gewalt als Antwort auf soziale Proteste hat sich auch beim Klimagifpel in Kopenhagen durchgesetzt. Hier gibts genau das richtige Video um sich auf die Feiertage einzustimmen. Never trust a cop…
In deutschen Medien läuft, passend dazu, eine präventive Kamapagne gegen Linksextremismus, die auch vor allerdreistesten Lügen nicht zurückschreckt (wenn es der Sache dient): Tagesspiegel gegen Antifas aus Hessen.
„Neue Qualitäten der Gewalt“ werden von eifrigen Journalisten in diesem Zusammenhang ja gerne mal heraufbeschworen, entpuppen sich dann aber regelmäßig nur als kokelnde Autos in Hamburg oder Berlin. Fragt sich welche Superlative kommen, falls es tatsächlich mal wieder zu militanten Massendemonstrationen a la Startbahn West kommt.
Egal, damit rechnen ja noch nichtmal die Linksradikalen selbst.
Zum Abschluss noch ein paar Worte in eigener Sache: Subradical gibt es jetzt seit fast einem Jahr. Mehr Politik als (Sub)Kultur ist es geworden, kann man nix machen. Harte Zeiten. Wir haben ein bisschen Aufmerksamkeit erregt und werden seit März von etwa 21 Menschen pro Tag gelesen, Tendenz steigend. Nazithemen bringen gute Besucherquoten aber auch viele dämliche Kommentare. Uns wird gerne Zensur vorgeworfen, wenn die Moderation auf sich warten lässt, aber damit können wir leben. Das wir keine Lust drauf haben hier für irgendwelche Spinner eine Plattform zu bieten, sollte man uns nachsehen. Wer seine Komentare ohne allzu üble Beschimpfungen und NS-Relativierungen verfasst, darf damit rechnen, auch veröffentlicht zu werden.
Und um die Terminübersicht kümmern wir uns nächstes Jahr auch besser, versprochen.

Selbstversuch mit Glühwein

Mittels Selbstversuch konnte ich in den letzten Tagen feststellen, dass der Miltenberger Weihnachtsmarkt nicht sehr groß ist, dafür aber über die ganze Innenstadt verteilt, also hier mal ein paar Buden, dort mal ein paar Buden. Das Ganze insgesamt sehr zuckrig-eklig mit hundsmiserabler Musikbeschallung von der CD oder einigen Blasmusik-Dorfkapellen, die – Tatsache! – selbst davor nicht zurückschrecken, John Lennons „Happy Christmas (War is over)“ zum Weihnachtssingsang zu degradieren. Dazu fette Würste, überzuckerter Glühwein und das ewiggleiche Sortiment an Weihnachtskugeln, Krippenfiguren und Wachskerzen.
Ganz anders will natürlich Aschaffenburg sein, die Untermainmetropole, das Nizza am Main: Ein großer Weihnachtsmarkt auf einem großen Platz, zentral gelegen und viel besser als in Miltenberg. Und was wird geboten? Zuckrig-Ekliges mit hundsmiserabler Musikbeschallung, fette Würste, überzuckerter Glühwein und das ewiggleiche Sortiment an Weihnachtskugeln, Krippenfiguren und Wachskerzen. Eben ganz anders als in Miltenberg.
Die netten Leute vom Hannebambel haben es in ihrem letzten Email-Rundbrief auch begriffen: „Immerhin ist einstweilen mit keiner Invasion von Außerirdischen zu rechnen. Die Erd-Abwehr steht!!! Die Berieselung der Innenstädte mit Weihnachtsgedudel hält mit ziemlicher Sicherheit so ziemlich jeden unerwünschten extraterraischen Besuch effektivst ab.“ Den gemischten Braten aus Ochs, Esel und Schaf haben aber die Bambelinos trotzdem nicht auf die Speisenkarte gesetzt. Irgendwie auch nicht schade.
Aber warum dieser ganze vorweihnachtliche Irrsinnstrubel? Können wir das wirklich diesem jüdischen Palaestinenser Jesus in die Schuhe schieben, der da vor rund zwei Jahrtausenden in Bethlehem, Nazareth und Umgebung wirkte? Und auf den sich heute Milliarden von Menschen berufen? Nicht wirklich. Eher dem real existierenden Wirtschaftssystem, das Geld in Ware und diese Ware in noch mehr Geld verwandeln will. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Zukunft als Werbegag

oder: Wo das Geld bleibt

„Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich da nix!“ Kann sich noch jemand an diese Werbung erinnern? Nun, „MUTmacher“ heißt jetzt „Initiative Zukunft“ – und auch da ändert sich nichts. Eine Ansammlung von Lobeshymnen auf die ehrenamtliche Tätigkeit und bezahlte Lobhudeleien auf die heimische Industrie, den örtlichen Handel und die lokalen Dienstleistungen. Ja, bezahlt. Denn was wie redaktionelle Beiträge aussieht, sind in den meisten Fällen kommerzielle Anzeigen, offensichtlich nur garniert mit kostenfrei gedruckten Vorstellungen sozialer (ehrenamtlicher) Projekte.
Das im halben Zeitungsformat erscheinende Anzeigen-Heft aus dem Miltenberger NEWS-Verlag wird seit diesem Monat im Landkreis Miltenberg und darüber hinaus „an ausgewählten Stellen im Rhein-Main-Gebiet“ (Wochenblatt des NEWS-Verlags, 09.12.09) mit angeblich 70.000 Exemplaren in die Briefkästen gesteckt oder anderweitig verteilt. Wie oft es erscheinen soll, ist derzeit nicht ganz klar. In jedem Fall: Eine gigantische Verschwendung, die nur durch die schlichte Wahrheit übertroffen wird, dass noch viel mehr Anzeigenzeitungen gratis – aber nicht wirklich kostenfrei – in unsere unschuldigen Briefkästen gestopft oder in Kneipenecken zum Mitnehmen hingeworfen werden. Grund genug, einen älteren Beitrag (erschienen bei de.indymedia.org, 22.06.06) leicht überarbeitet noch einmal zu bringen. Aus aktuellem Anlass also. Und weil wir damit beweisen, dass Informationen aus unserem Umfeld auch nach Jahren noch interessant und richtig sind.
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Sperre und Randale

„Das Amtsgericht Miltenberg hat in einer Verhandlung vom Donnerstag einen 27-Jährigen zu einer Geldstrafe von 525 Euro verurteilt. Der Angeklagte hatte im Juni in den Räumen der Arge Hausfriedensbruch begangen. Neben Sachbeschädigung wurde ihm auch versuchte, vorsätzliche Körperverletzung zur Last gelegt.“ So berichtet heute der in Miltenberg erscheinende Bote vom Untermain, die Lokalausgabe des Main-Echo. Was war geschehen? (mehr…)

Angstmache gegen Moscheebau

Mittlerweile habe ich mit ein paar Leuten gesprochen, welche die CSU-Veranstaltung zum Moscheebau in Schweinheim besucht haben. Die meisten äußerten sich ziemlich enttäuscht über die gesammte Veranstaltung. Von der CSU wurde der Bauantrag entgegen der Ankündigung nicht vorgestellt, stattdessen übergab man das Wort an den (unvorbereiteten) Vorsitzenden des islamischen Arbeitervereins, Mohammed El Ouaamari. Der Leiter der Veranstaltung, der CSU Kreisvorsitzende Winfried Bausback, schaffte es übrigens keine einziges mal den Namen von El Ouaarmari richtig auszusprechen. So viel zum Thema Respekt. So ging es dann in der Diskussion auch nicht mehr um den konkreten Moscheebau, sondern es wurde wild gegen den Islam als solchen gewettert. (mehr…)

Nazis und Islamisten gemeinsam

Wenn jemand sich sehr freut, dann ist das doch wohl allgemein ein guter Grund, sich mitzufreuen. Oder? Leider nicht immer. Denn die knallbraunen Kameradinnen und Kameraden am Untermain freuen sich gerade über etwas, das anderswo Entsetzen auslöst. Sie feiern im Internet auf ihrer „Heimatseite“ (das heißt bei denen wirklich so!) die vorurteilsbeladene und schlicht rassistische Entscheidung der Schweizer, keine Minarette an Moscheen mehr zuzulassen. (mehr…)




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