Schade: Mina Ahadi kommt doch nicht nach Aschaffenburg

Wie heute dem Main Echo zu entnehmen ist, wurde eine geplante Veranstaltung mit der kommunistischen Atheistin Mina Ahadi, Verband der Ex-Muslime, abgesagt. Kurioserweiser von der Jungen Union geplant, entzog die Kirchenverwaltung St. Gertrud die Räumlichkeiten. Anlass dafür sind zum einen die Mobilisierung im rechtskonservativen Islamhasser-Spektrum (Pax Europa kündigte sich als Mitveranstalter an, im Forum „Die Grüne Pest“ freute man sich darauf, Muslime sprachlich „in den Boden zu hämmern“), eine zeitgleich stattfindende Veranstaltung zum Thema „Christlich-Muslimischer Dialog“ im Martinushaus sowie die Einstellung von Mina Ahadi selbst, die jedwede Religion als Herrschaftsinstument ablehnt und für eine negative Religionsfreiheit eintritt.
Die JU ist natürlich empört, aber keinesfalls Opfer (Angstmache gegen Moscheebau). Die Veranstaltung war rein taktischer Natur – Mina Ahadi wird gerne auf rechte Podien eingeladen, um dort als Feigenblatt gegen Kritiker zu dienen. Da wird auch mal schnell unter den Tisch fallen gelassen, dass Frauenrechte (ein Schwerpunkt Ahadis Arbeit) in Europa vor allem gegen den Widerstand der christlichen Kirche (und deren politischen Vertretern) erkämpft werden mussten.
Das Instrumentelle Verhältnis zeigen auch Zitate aus der Kommentarspalte von pi-news.net:

Dass Mina Ahadi eine Kommunistin ist, ist bekannt?

sie soll ja auch nicht regieren, sondern über den islam aufklären und zwar als ausländische frau und exmuslim; sprich: sie macht die nazikeule kaputt. anders gesagt: den linken explodiert der schädel bei der frau :D

Eine überzeugte Linke, die genauso überzeugt gegen die Islamisierung arbeitet, dass ist unverdauliche Kost für das LRP. Nebenbei:
Sehr gehrter Herr Henryk Broder. In den letzten Wochen haben sie ihre Leser und die deutsche Sprache mit 2 Wortschöpfungen bereichert. Zuerst das linksreaktionäre Pack (LRP), dann abgemildert durch die linksreaktionären Gutmenschen (LRG). Ich persönlich bevorzuge Originale, wie man sieht. Ihr aufmerksamer Leser.

Angemerkt sei hier nur, dass die meisten Linken ja doch eher jeder Religion kritisch gegenüber stehen und Mina Ahadis Arbeit auf jedenfall unterstützenswert ist.

Verwirrspiel?
Zuerst in den amtlichen Mitteilungsblättern angekündigt unter dem Titel „Islam, Moscheen und Minarette in Aschaffenburg“ wurde der Veranstaltungstitel zu „Aschaffenburg und der Islam – Schluss mit der falschen Toleranz“ gewandelt. Wobei Mina Ahadi freilich wenig bis nichts konkretes über „Aschaffenburg und den Islam“ sagen kann. Das die Situation im Iran nicht so ganz vergleichbar mit der in Aschaffenburg ist – geschenkt. Aber Hauptsache es werden irrationale Ängste geschürt.
Eigentlich kann die JU froh sein, dass die Veranstaltung abgesagt wurde. Es wäre ja auch zu peinlich geworden, wenn Mina Ahadi im Zuge ihrer Religionskritik auch mal das „politische Christentum“ in Form von Norbert Geis und Konsorten kommentiert hätte.

Schade…
… ist es allerdings, da sich schon viele Leute auf Informationen aus dem Iran und den aktuellen Protesten gegen Ahmadinedschad, über die von der Kritischen Islamkonferenz initiierte Petition „Asyl für Ex-Muslime“ oder das vorankommen der „Arbeiterkommunistischen Partei Irans“ gefreut haben.


9 Antworten auf „Schade: Mina Ahadi kommt doch nicht nach Aschaffenburg“


  1. 1 Hinweis 14. Januar 2010 um 12:12 Uhr
  2. 2 Administrator 14. Januar 2010 um 14:01 Uhr

    Wenn alles reibungslos läuft, veröffentlichen wir in kürze ein Interview mit Mina Ahadi.

  3. 3 superartikel im mainecho 15. Januar 2010 um 9:04 Uhr

    Islam-Diskussion: Mit wem macht sich der CSU-Nachwuchs gemein?

    Beiträge im Internet werfen Fragen auf – Bausback nimmt Junge Union in Schutz

    Aschaffenburg Die Vorgänge um den jetzt abgesagten JU-Abend »Aschaffenburg und der Islam« werfen Fragen auf. Vor allem mit Blick auf die Werbung im Internet: Mit wem macht sich die Junge Union Aschaffenburg da gemein?

    Der Vorsitzende der Stadt-CSU, Winfried Bausback, nimmt die Nachwuchsorganisation in Schutz. Der Aschaffenburger JU-Vorstand sei nicht dafür verantwortlich zu machen, welche Website auf seine Informationsabende verweise und wie sie das tue.
    Das mag stimmen. Was aber, wenn sich der stellvertretende JU-Vorsitzende, Felix Scholtysik, selbst in einem Forum äußert, das sich »Politisch Inkorrekt« (PI) nennt?

    Nach der CSU-Veranstaltung mit dem bayerischen Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer in Aschaffenburg beteiligte er sich an der PI-Diskussion. Er stellte eine Äußerung klar, die ihm zugeschrieben wurde, erklärte, versehen mit einem Smiley, dass er die Forumsbeiträge »seit Jahren täglich lese«, nannte das Main-Echo »eine linke Postille, welche am liebsten an jeder Straßenecke eine zweite Hagia Sofia hätte« und bedauerte, »wie weit sich die Führungselite der CSU vom Volk bereits entfernt hat«.

    Scholtysiks Wortwahl ist moderat. Andere Diskussionsteilnehmer sind es weniger. Politiker, die auf Integration oder Dialog bedacht sind, werden »Volkszertreter«, »Volksverräter«, »politische Selbstbefriediger«, »Linksgrüne« oder »verblödete linke Dressurelite« genannt. Als »linke Postille« kommt das Main-Echo noch ähnlich gut weg wie die »Welt«, die bei PI als »grün-liberal« gilt. Medien, die sich seriös um Aufklärung bemühen, heißen auch schon mal »linksideologisch ausgehärtete deutsche Arschlochpresse«.

  4. 4 zweiter Teil 15. Januar 2010 um 9:05 Uhr

    Scholtysik distanziert sich im Gespräch mit der Redaktion von diesen Äußerungen. Sie seien »Schwachsinn« und allenfalls »juveniles Ventil von Frust«. Aus seiner Sicht handelt es sich bei PI um ein »heterogenes Forum, dessen Spektrum von rechts bis links reiche. Gemeinsam sei ihnen nur das Thema: die Ablehnung des Islam. Seine eigenen Äußerungen gründe er auf Fakten.
    Fakten für seine Äußerung, das Main-Echo wünsche sich »an jeder Ecke eine zweite Hagia Sofia«, nannte er nicht. Das sei ein »flapsiger Scherz« gewesen, ausgelöst durch die Unzufriedenheit der Aschaffenburger Jungen Union mit der Zeitung und durch die Ablehnung eines Leserbriefs.
    Auch von seiner Äußerung, er lese die PI-News seit Jahren täglich, distanziert sich Scholtysik. Er schaue gelegentlich hinein, wie in viele andere Internetseiten auch. Das verlange sein Studium der Politikwissenschaften.

    Zu seiner Kritik an der CSU-Führung steht er dagegen. Die CSU-Basis sei frustriert – unter anderem wegen der Haltung der Partei zum Islam. Unzufrieden sei die örtliche Basis auch mit Aschaffenburger CSU-Politikern, weil sie sich in der Frage des Moscheebaus zu keiner »eindeutigen Position« durchringen könnten, sondern sich auf das Baurecht zurückzögen.

    Nachdrücklich distanziert sich Scholtysik von ausländerfeindlichem oder gar rechtsextremem Gedankengut. Er gehöre zwar der Bürgerbewegung »Pax Europa« an, die als rechtspopulistisch gilt, zahle aber nur Mitgliedsbeitrag. Zudem habe er den jetzt abgesagten Islam-Abend mit Mina Ahadi mitorganisiert – und die sei Kommunistin. Tatsächlich ist sie deshalb im PI-Forum als Bündnispartnerin gegen den Islam umstritten.
    »Absolut integer«
    Vorbehaltlos stellt sich der CSU-Vorsitzende Bausback hinter den JU-Vize: Scholtysik sei ein »aufrechter Demokrat«, von Äußerungen anderer Teilnehmer an Internetforen fürfe nicht auf ihn geschlossen werden. »Fleißig und absolut integer« nennt der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis den Aschaffenburger Nachwuchspolitiker.

    Dass er, wie die Junge Union, den Bau von Moscheen mit Minarett in Aschaffenburg und andernorts ablehnt, habe inhaltliche Gründe, sagt Scholtysik. Erst müssten die islamischen Einwanderer ihre Haltung zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zur Stellung der Frau oder zur Religionsfreiheit klären. Peter Freudenberger

  5. 5 bleistift 15. Januar 2010 um 9:34 Uhr
  6. 6 paul 15. Januar 2010 um 10:28 Uhr

    Immer wieder schade, dass Freudenberger so wenig Biss hat. Er zahlt nur Mitgliedsbeiträge bei Pax Europa? Als ob das nicht schon genug wäre …
    Wieso ist Pax Europa überhaupt als Mitveranstalter aufgeführt? Vielleicht weil er aus dieser Ecke einen heißen Tip gekriegt hat, doch mal ne Veranstaltung mit einer Kommunistin zu machen, Taktik gegen Kritiker und so…?
    Was ist mit dem Pax Europa Flugblatt, welches bei der Veranstaltung der CSU verteilt wurde? Was hat das mit aufrechter Demokratie (oder Fakten gegen einen Moscheebau in Aschaffenburg) zu tun?
    Das er sich dann noch hinstellt und vom Islamischen Arbeiterverein, von dem es keine bekannten Aussagen gegen Religionsfreiheit gibt (im Gegensatz zu ihm selbst, gell?), erstmal ein Bekenntnis dazu verlangt ist unglaublich borniert. Mit der „Leitkultur“ im Rücken lebts sich halt bequem…
    Die Stellung der Frau ins Feld zu führen, wo die CSU erst vor gar nicht allzu langer Zeit noch eine Herdprämie gefordert hat, braucht man ja auch nicht weiter zu kommentieren.
    Und dann ist natürlich noch die Frage offen, inwiefern sich Scholtysik (Lieblingsbücher u.a.: Bibel, Autor: Gott (sic!); Kampf der Kulturen, Huntington) nicht auf einem christlich-fundamentalistischen Kreuzzug befindet. Mit Norbert Geis hat er ja einen entsprechenden Mentor.

  7. 7 bleistift 15. Januar 2010 um 20:40 Uhr

    es ist einfach sehr witzig das felix trotz seines mottos „Folge nie der Menge, nur weil Du Angst hast anders zu sein.“ in dem ME beitrag derart zurückrudert. es ist nicht davon auszugehen, dass das ME druck auf ihn aufgebaut hat oder sonstiges. es ist natürlich ein problem sich im internet, in offenen foren, zu äußern, sich fast schon als märtyrer zu inszenieren und dann versuchen in der lokal presse seinen ruf als „demokrat“ zu retten.
    jeder der lesen kann merkt doch sofort was mit felix los ist.
    schön, dass sich das nicht nur auf aschaffenburg begrenzt:
    http://ario85.wordpress.com/

  8. 8 fizzefazze 21. Januar 2010 um 14:26 Uhr

    heute wieder ein artikel im mainecho zur entscheidung das die baugenehmigung der moschee (mit minarett) durch ist.
    auch sehr interessante Kommentare dazu.

  1. 1 Aschaffenburg - Blog - 14 Jan 2010 Pingback am 25. Januar 2010 um 10:41 Uhr
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