Solidarität ist machbar, Frau Nachbar!

Doch: Internationale Solidarität ist möglich, auch direkt vor Ort; und auch in der Provinz. Das beweist nicht zuletzt seit Jahrzehnten die weltweite Organisation Amnesty International. Ihre Miltenberger Kreisgruppe unterstützt mit ihrer Aktion Briefe gegen das Vergessen derzeit den Iraner Emadeddin Baghi durch eine Kampagne, in der möglichst viele Briefe an Ayatollah Sadeqh Larijani sowie in Kopie an die Botschaft der Islamischen Republik Iran in Berlin gehen. Als Beispiel für eine gute solidarische Aktion seien hier die Übersetzung des Briefes und nachstehend noch Informationen zur Situation von Emadeddin Baghi gebracht:

Brief

Ich schreibe Ihnen, um meiner Betroffenheit über die Verhaftung des bekannten Menschenrechtlers Emadeddin Baghi am 28.Dezember 2009 Ausdruck zu geben, die nach Demonstrationen an Aschura in Teheran und anderen Städten erfolgte.
[Aschura ist ein Fest im Iran. Wikipedia schreibt dazu: Aschura, teils auch Ashura, wird der zehnte Tag des islamischen Monats Muharram genannt, des ersten Monats im islamischen Kalender. An diesem Tag gedenken die Schiiten des Todes von Imam Husain in Kerbela. Auch für die Aleviten ist Aschura ein bedeutender Tag.]
Ich bin besonders besorgt, weil Herrn Baghis Gesundheit angegriffen ist und er in der Haft Misshandlungen und medizinischer Unterversorgung ausgesetzt sein dürfte. Während seiner vorherigen Gefangenschaft von Oktober 2007 bis Oktober 2008 erlitt er Schlaganfälle und einen Herzschlag, und der Zugang zur Toilette wurde ihm versagt, was zu Nierenproblemen führte. Er erhielt keine angemessene medizinische Versorgung.
Von den iranischen Behörden wurde er wiederholt wegen seines friedlichen Einsatzes für die Menschenrechte verfolgt; seine Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Gefangenen wurde geschlossen und er wurde daran gehindert, den angesehenen Martin Ennals-Preis für Menschenrechtsaktivisten im November 2009 in Empfang zu nehmen.
Ich fordere, dass Emadeddin Baghi während seiner Inhaftierung Kontakt mit seiner Familie, seinem
Rechtsanwalt und jegliche notwendige medizinische Versorgung erhält. Ich fordere ebenfalls, sicherzustellen, dass er keinerlei Folter oder Misshandlung ausgesetzt wird. Schließlich ist Emadeddin Baghi Gewissensgefangener und ich fordere deshalb seine sofortige und bedingungslose Freilassung.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Die Fallbeschreibung

Der Menschenrechtsverteidiger, Journalist und Autor Emadeddin Baghi wurde am 28. Dezember 2009 um 6.45 Uhr in seinem Haus festgenommen. Vier Bewaffnete hatten sich gewaltsam Zugang zu seinem Haus verschafft, wo sie auf Emadeddin Baghis Schwager einschlugen. Die Polizeiangehörigen in Zivil zeigten dabei kurz einen Haftbefehl, in dem kein Name genannt war. Als Emadeddin Baghi sagte, dass er im Gefängnis stark bleiben werde, entgegneten ihm die Polizisten, er brauche sich nicht anzustrengen, da er im Gefängnis nicht lange überleben werde. Seine Festnahme erfolgte kurz nachdem ein Interview mit dem Geistlichen Ayatollah Montazeri, das Emadeddin Baghi zwei Jahre zuvor geführt hatte, ausgestrahlt worden war.
Emadeddin Baghi wurde bereits mehrere Male inhaftiert. Nach seiner jüngsten Festnahme rief der Menschenrechtsverteidiger seine Familie an und bestätigte, dass er sich in Trakt 240 des Evin- Gefängnisses in Teheran befinde. Er hat seither weder weiteren Kontakt zu seiner Familie noch zu einem Anwalt oder Arzt aufnehmen dürfen. Amnesty International betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen.
Emadeddin Baghi gründete 2002 die Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Gefangenen (Association for the Defence of Prisoners‘ Rights), eine Organisation, die Informationen über Folter und andere Misshandlungen von Gefangenen zusammenträgt. Im August 2009 wurde die Organisation von den Behörden geschlossen. Bereits seit Oktober 2004 wird Emadeddin Baghi die Ausreise verwehrt. Daher war es ihm im November 2009 nicht möglich, den Martin-Ennals-Preis für Menschenrechtsverteidiger in Genf persönlich entgegenzunehmen.





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