Beiträge von mb

MAO hat Daten zu Aschaffenburg

Da sag mal einer, Internetrecherche würde nichts bringen. Bereits ein nur kurzer Blick in die Seiten des MAO-Projektes (Materialien zur Analyse von Opposition) brachte es an den Tag: Da gibt es eine Auflistung von interessanten Ereignissen aus den frühen Jahren der linken Bewegung in unserer Region. Eine kurze Email am gestrigen Abend führte sogleich zur Erlaubnis des Nachdrucks auf kommunal.tk und zum Versprechen von Jürgen Schröder, auch die wenigen vorhandenen Daten aus dem Kreis Miltenberg alsbald online zu stellen.

Für die Älteren unter uns mögen wehmütige oder auch wütende Erinnerungen mit den bei MAO publizierten Daten verbunden sein. Die Jüngeren mögen die Vielfalt der Gruppen, die Aktionen, aber auch den Dogmatismus und die Spaltungen bewundern oder auch belächeln. In jedem Fall sind diese Ereignisse Teil unserer Geschichte:

Zu den frühen Jahren der linken Bewegung in Aschaffenburg und Main-Spessart, 1969 – 1980 (gefunden auf http://www.mao-projekt.de/)

Vielleicht fühlt sich jetzt mancher der Älteren unter uns angeregt, alte Dokumente zur Verfügung zu stellen; diese bitte einscannen und an kommunal@gmx.net senden. Danke!

Wir sind gekommen, um zu bleiben!

Der gestrige Samstag brachte der Miltenberger Innenstadt mal wieder eine bunte Bereicherung. Knapp 20 junge Leute aus der JuZ (Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum) zogen vom Bahnhof durch die Innenstadt, liefen demonstrierend mehrfach durch die Fußgängerzone und erläuterten mit Transparenten, Flugblättern und Megaphon-Durchsagen ihre Ziele. Am historischen Markplatz richteten sie sich dann ein, grillten „vegane Schnitzel“ und forderten die Zuschauenden auf, sich an Essen und Trinken (Softgetränke und Bier – leider Öttinger) zu bedienen, was erwartungsgemäß nicht auf sonderlichen Zuspruch stieß. So verzehrten die JuZ-Leute die Sachen halt selbst.
Die Polizei beschränkte sich – nachdem sie vor dem Abmarsch am Bahnhof kurzfristig telefonisch über die Eilveranstaltung informiert worden war – auf eine Begleitung in die Innenstadt und erschien dann erst später wieder, um das Ende der Veranstaltung anzumahnen. Die Presse kam mit einer Fotografin und auch die Touristen fotografierten und filmten die Demonstration. (mehr…)

1. Mai – eine Nachbetrachtung

12. Mai, Zeit genug vergangen, um ein Resümee des 1. Mai 2010 am bayerischen Untermain zu versuchen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Aschaffenburg hat sich noch nicht zu seiner Mai-Demonstration geäußert; daher sei nur auf seinen Aufruf verwiesen, mit dem er zur Mai-Demo aufgefordert hat. Auch die Freie Arbeiter/innen-Union (FAU) mit ihrem Syndikat am Untermain hat noch keine Auswertung veröffentlicht, daher auch bei ihr nur der Aufruftext, der sich dann doch gewaltig von dem des DGB unterscheidet! (mehr…)

Ein Beweis für Erbärmlichkeit

Die grüne Funktionärin Marion Becker ist keine sympathische Person. Im Streit der Miltenberger Grünen vor vielen Jahren war sie bereits auf der falschen Seite, der der Superrealos gegen die sympathischen Realos. Fundis gab es hier nie. Aber das ist eine erledigte Geschichte.

Wenn die Grünen aber nun stolz sind, dass die „Firmen Enka und Cordenka Auflagen zu Genehmigungsverfahren, zur Abgasleitung und Abgasreinigung, zu Emissions- und Imissionsbegrenzungen und zu deren messtechnischer Überwachung“ (ME, 19.03.10) erhalten haben (was sie sich zuschrieben), dann ist das sympathisch. Schließlich geht es um unser aller Gesundheit. Richtig auch, was ihre grüne Freundin und ehemalige Landtagsabgeordnete Petra Münzel meint: „Dennoch ist es für uns unbefriedigend, dass das Problem der Luftverschmutzung mit den Folgen für die Gesundheit der Menschen durch hohe Türme nur verlagert wird, statt insgesamt weniger Emissionen zu verursachen.“ (ebd.) (mehr…)

Die Medien, der Islam und die Formation antiislamischer Bürgerbewegungen

Zugesandter Hinweis:

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus findet die Veranstaltung „Medien und Islam und die Formation antiislamischer Bürgerbewegungen“ statt – ein Vortrags- und Diskussionsabend mit JournalistInnen der regionalen Presse und einem Vortrag von Dr. Sabine Schiffer, Institut für Medienverantwortung, Erlangen.
Termin:
Dienstag, 16. März 201, 19:00 Uhr, Aschaffenburg, Martinushaus
Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Stadtjugendrings, Jusmi AB, dem Bündnis gegen Rechts, der afa-Gruppe Aschaffenburg, dem AK Migration und attac Aschaffenburg-Miltenberg.

Informationsblatt herunterladen (pdf)

Unausrottbarer Wahnsinn?

„Der Internetaufruf zu einer Mahnwache zur `Situation der kirchlichen Befreiungsdienstes´ am Kloster Engelberg ist gestern trotz des Reizworts `Anneliese Michel´ ohne Resonanz geblieben. Heike K. aus München und Winfried Zentgraf aus Fulda standen um 14 Uhr allein vor der Klosterpforte, um die deutschen Bischöfe zu einem anderen Umgang mit den Themen Exorzismus und Besessenheit aufzufordern.“ So heißt es heute im in Miltenberg erscheinenden Boten vom Untermain. Ganze drei Personen (die dritte kam später noch dazu), wohl alle aus der innerkatholischen Sekte „Zeugen der Wahrheit“, demonstrierten, da sie die Position der Kirche im Fall Anneliese Michel für Unrecht halten. Eine der beteiligten Frauen bezeichnet sich zu allem Überfluss auch noch selbst als „besessen“! (mehr…)

Freiraum ist Leben – Für ein unabhängiges Zentrum

„Freiraum ist Leben – Für ein unabhängiges Zentrum“ und „Miltenberg – We will rock you …“ sowie „Miltenberg geht baden – sonnen für ein autonomes Zentrum“ – das waren die Texte der Transparente, die bei einer spontanen Aktion am gestrigen Samstag knapp ein Dutzend junge Leute in Miltenberg mitführten. Wieder ging es vom Bahnhof zum Engelplatz vor das Rathaus. Und sogar das im letzten Sommer entstandene Transparent mit dem Aufruf zum Sonnenbaden war an diesem Februartag nicht falsch: Es herrschte bestes Frühlingswetter, das dann auch dazu führte, dass zahlreiche Bürgerinnen und Bürger stehen blieben und mit den Leuten der Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum (JuZ) diskutierten, sich informierten und die beiden Flugblätter mitnahmen, die die JuZ erstellt hatte. (mehr…)

Gruß nach Miltenberg!

Wir kopieren von YOUTUBE:

Seit über einem Jahr kämpft die „Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum“ (kurz: JuZ) in Miltenberg für ihr ausgearbeitetes Freiraum-Konzept „Miltenberger Zentrum“ (Mil-Z). Mit vielen bunten Aktionen machten die Jugendlichen auf sich aufmerksam (einen kleinen Einblick bietet hierbei dieses Video).
Berichte, Stellungnahmen und das Freiraumkonzept Mil-Z findet ihr hier:
WWW.MIL-Z.DE.VU

Mittelstand und Unvernunft

„Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu Hartz IV darf nicht zu einer Ausweitung der Sozialleistungen führen.“ In einem Leserbrief vom 18.02.10 im Main-Echo betreibt die Mittelstandsunion der CSU Aschaffenburg Stadt und Land, vertreten durch ihren Kreisvorsitzenden Herbert Raab, das Geschäft der FDP – und vertritt natürlich das vermeintliche Interesse der eigenen Klientel. So spricht man sich gegen Mindestlöhne aus, ohne zu bedenken, dass diese die Kaufkraft und damit den regionalen Mittelstand stärken würden. Auch sollen keine neuen „Anreize zur Nichtarbeit“ geschaffen werden, was nur dann einen – allerdings auf Zwangsarbeit etc. hinauslaufenden – Sinn machen könnte, wenn es tatsächlich Arbeit gäbe, die an die Stelle der angeblich so schönen und staatlich so vollfett finanzierten Nichtarbeit treten könnte. Ansonsten bleibt es das, was wohl auch gemeint ist: Verhöhnung der auf Arbeitslosengeld II angewiesenen Menschen. (mehr…)

Ehrenamtspest? Neues vom Abbau des Sozialstaates

Überall geht der Sozialstaat in die Knie und es wird die Mär vom „es ist leider kein Geld da“ verbreitet. Kein Geld? Wer sich nun an die Milliarden zur Stützung der Banken erinnert, ist immerhin ein mitdenkendes Wesen. Milliarden für marode Banken, die aus eigener Schuld bzw. den von ihnen verteidigten kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten in die Kacke geraten sind, wo jede pleite gegangene Bank für einen Appel und ein Ei vom Staat hätte aufgekauft, vergesellschaftet und damit weitgehend ungefährlich hätte gemacht werden können. „Kein Geld da“ ist also ein Witz schlechthin; es ist noch immer Geld da, nur nicht für soziale Projekte.

Mit einer Ausnahme: Ehrenamtsprojekte werden gefördert was das Zeug hält. Im Internet gibt es eigene Ehrenamtsportale für Aschaffenburg und für den Kreis Miltenberg. Mit dem Projekt WABE gibt es in Aschaffenburg zudem eine Einrichtung, die scheinbar vor allem propagandistisch tätig wird, um den Gedanken des Ehrenamtes als unabwendbarer Teil des Sozialsystems zu verfestigen. In Erlenbach/Main gibt es das Main-Ehrenamt, das dieser Tage einen evangelischen Pfarrer antreten lässt, der der Ehrenamtsidee die höhere religiöse Weihe geben soll. Dann gibt es am bayerischen Untermain noch das Ehrenamtsprojekt „Drehscheibe der Generationen“ oder das Projekt Sozialpate, das der ARGE für Arbeitslosengeld-II-Bezieher im Kreis Miltenberg die Arbeit erleichtern soll, indem Ehrenamtliche die Arbeitslosen betreuen und damit das tun, was eigentlich Aufgabe der Behörde wäre: Auskünfte geben, beim Ausfüllen der Anträge helfen etc. Sogar in leicht übersehbaren winzigen Gemeinden wie Laudenbach/Main entstehen Ehrenamtsprojekte; dort heißt es „Wir für uns“.

Ehrenamtlich kann man überall einsetzen: Bei Tafelläden wie dem Grenzenlos in Aschaffenburg und den Martinsläden in Miltenberg und Erlenbach; oder bei Krankenhaus- oder Altenheimbesuchsdiensten, wo Ehrenamtliche Patienten füttern können, damit man noch mehr Pflegepersonal einsparen kann. Ganz konkret werden z.B. in Aschaffenburg derzeit Demenzbegleiter ausgebildet, die offensichtlich kostenfrei dort eingesetzt werden sollen, wo das Sozialsystem längst keine Lust mehr hat, genug für demente Nichtmehrproduzenten aufzuwenden.

Die Wohlfahrtsverbände haben aber schon eine neue Kuh, die sie durchs Dorf treiben: den Ehrenamtsnachweis. Wer kostenlos arbeitet, der soll wenigstens eine Bescheinigung darüber erhalten, mit der er einen Vorteil bei Bewerbungen um Studien-, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze haben soll. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so werden alle, die sich einmal irgendwo bewerben wollen, ehrenamtliche Tätigkeit ausführen oder zumindest glaubhaft vortäuschen müssen, damit sie wieder die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Und hier wird auch ersichtlich, dass die ganze Ehrenamtlichkeit in die Richtung des stummen Zwangs gehen soll: Es sei ja schließlich ganz selbstverständlich, dass Mitglieder einer Gesellschaft sich auch für diese Gesellschaft engagieren. Soweit dies wirklich freiwillig geschieht und keine professionelle Hilfe verdrängt, wo diese sinnvoll ist, kann dagegen wenig gesagt werden. Die Richtung ist aber eine andere: Freiwillige sollen hauptamtliches (bezahltes) Personal ersetzen, die Versorgung also entprofessionalisieren und massiv verbilligen. Die Arbeitslosenquote wird dabei ansteigen, da z.B. Pflegehelferinnen dann weniger benötigt werden. Aber gerade das dient ja auch wieder der Ehrenamtlichkeit: Wer z.B. als Helferin aus dem Arbeitsprozess herausfällt, kann dann ja Hartz IV bekommen und entweder als Ein-Euro-Zwangsarbeiter oder gar als völlig unbezahlter Ehrenamtlicher genau die Stelle ausfüllen helfen, aus der sie entlassen wurde!

Parallel dazu wird den Senioren eingeredet, sie müssten gefälligst ihren Ruhestand zu einem Unruhestand machen und weiterhin fleißig – natürlich ehrenamtlich – mitarbeiten. Dass im Alter ganz andere Sachen angesagt sein könnten und endlich die Konzentrierung auf das, was einem wirklich gefehlt hat, stattfinden sollte, das wird immer wenigeren klar. Auch müssen wir vermuten, dass die Seniorinnen und Senioren selbst sich offensichtlich immer weniger vorstellen können, dass der Mensch auch etwas wert ist, wenn er nicht mehr produktiv tätig ist!

Nun könnte Ehrenamtlichkeit auch demokratisches und sogar widerständiges Potential in sich tragen, wenn damit eine emanzipatorische Entstaatlichung verbunden wäre, im Sinne von: soziale Prozesse werden direkt in die Hände der Menschen gelegt, ohne Reglementierung. Und es sei an dieser Stelle auch noch angemerkt, dass nicht jede unentgeltliche Tätigkeit unter diesen Ehrenamtsbegriff fällt. Wenn ein alternativer Kulturverein – nennen wir ihn AbaKuZ –ohne bezahltes Personal arbeitet, so ist das Selbstorganisation, do it yourself. Ebenso bei einem Freizeitfußballverein oder einer nicht kommerziellen Rockband. Ganz besonders auch bei einer Jugendinitiative, die für ein selbstverwaltetes Jugendhaus kämpft. Überall dort wird selbst bestimmt und nicht in vorgegebene Strukturen gegangen, wo dann professionelles Personal verdrängt wird. Auch wer einfach mal der Nachbarin hilft, weil die krank oder gebrechlich ist, kann nicht unter diesen Ehrenamtsbegriff gefasst werden. Sowas ist einfach selbstverständlich, braucht auch keine Organisation. Und wenn sich Freunde um einen der Ihren kümmern, der erkrankt ist, der grade Hilfe oder Unterstützung benötigt – auch dann hat das nichts mit dem jetzt so aggressiv propagierten Ehrenamt zu tun.

Politisch gewolltes und im Grundsatz immer abzulehnendes Ehrenamt ist da gegeben, wo Organisationsstrukturen geschaffen werden, um den Einsatz möglichst großer Mengen an Ehrenamtliche zu gestalten, die in bereits bestehenden Einrichtungen arbeiten und damit Personal erst entlasten und dann ersetzen sollen. Oder die verhindern sollen, dass weiteres professionelles Personal eingesetzt wird. So ein Ehrenamt ist weder in irgendeiner Weise widerständig noch selbstorganisiert. Nicht einmal demokratisch ist es, da die Helfer/innen keinen wirklichen Einfluss auf Organisation und Gelderverwendung in den Einrichtungen haben, in denen sie eingesetzt werden. Und wer es als Ehre empfindet, zum Abbau sozialer Hilfe beizutragen, der muss schon sehr auf diese Ehre angewiesen sein, um sein deformiertes Ego aufzumöbeln.

Der bayerische Untermain ist gesegnet. Gesegnet mit einer Flut von Ehrenamtsprojekten, die ihr volles Potential noch lange nicht erreicht haben, eine wahre Ehrenamtpest, die da auf uns zurollt.

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Anmerkung: Links zu Ehrenamtsprojekten unterbleiben, da für diese hier nicht geworben werden soll. Wer diese dennoch sucht, findet sie in der Suchmaschine seiner Wahl.




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